11.5.2020

AK Bankenmonitor: Bankgeschäfte kommen meist teurer zu stehen

Bareinzahlung oder -auszahlung am Schalter, Überweisung und Co: Fünf von zwölf getesteten Banken haben für NeukundInnen an der Gebührenschraube gedreht – teilweise kräftig – und gleich mehrere Erhöhungen vorgenommen. Im Durchschnitt haben sie rund zehn Spesen um 3,70 Prozent angehoben. Das zeigt ein aktueller AK Bankenmonitor im Jahresvergleich bei zwölf Banken in Wien.

Die AK hat die Preise von 53 Dienstleistungen für NeukundInnen – Zahlungsverkehr, Sparen, Kredit, Wertpapiere – bei zwölf Banken in Wien im Jahresvergleich November 2018 zu November 2019 erhoben. Die Volksbank Wien hat trotz mehrmaligen Aufforderungen keine Preisaushänge übermittelt – so wie in den Vorjahren. Der AK Bankenmonitor zeigt: Fünf der zwölf untersuchten Banken haben zwischen vier (easybank, Hypo NÖ) und 18 (Bank Austria) Preise, Entgelte erhöht oder neue Gebühren eingeführt. 

Viele Banken drehten an Preisschraube – Im Schnitt 10 Spesen erhöht

Sechs Banken haben die Preise bzw. Entgelte gleich gelassen: Erste Bank, Generali Bank, ING, Santander Consumer, WSK Bank und Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien – sie hat sogar eine Gebühr gesenkt.

Bei den Verteuerungen fielen insbesondere die Bank Austria mit 18 Erhöhungen auf (im Schnitt um 1,96 Prozent) sowie die bankdirekt mit zwölf Erhöhungen (um 1,13 Prozent). Die bankdirekt senkte zwei Preise des Wertpapiergeschäfts um rund 40 Prozent.

Die BAWAG P.S.K. verteuerte jeweils sieben ihrer Entgelte – in einem spürbaren Ausmaß von im Schnitt 12,29 Prozent. Ihre Online-Marke easybank erhöhte ihre Preise zweimal um im Schnitt satte 120,24 Prozent und führte zwei völlig neue Gebühren ein. Bei der Hypo NÖ gab es Preissteigerungen bei vier Entgelten um 5,43 Prozent.

Es gibt auch Preisausreißer, vor allem im Kassageschäft (Schalter) und Zahlungsverkehr. Einige Beispiele: So erhöhte die BAWAG P.S.K. die Gebühr für eine Bareinzahlung am Schalter auf ein fremdes Konto von 6,40 auf 9,90 Euro (plus 55 Prozent). Knapp zehn Euro für eine Barüberweisung kann man nur als Strafgebühr für nicht technikaffine, vielfach ältere BankkundInnen bezeichnen. 

Bei der easybank müssen (Neu)KundInnen nun 3,90 Euro für eine Barauszahlung an der Kasse in einer BAWAG Filiale von ihrem eigenen Konto berappen – zuvor waren es noch 1,52 Euro bzw. gab es eine kostenloste Behebung pro Monat. Das ist eine Verteuerung um satte 156,58 Prozent.

Die BAWAG P.S.K. hebt auch bei bestimmten Kontopaketen ein Entgelt für die Nutzung von Selbstbedienungsautomaten ein – war noch vor wenigen Jahren in der Kontoführungsgebühr inkludiert. KundInnen werden etwa mit 39 Cent zur Kasse gebeten, wenn sie beim kostengünstigsten Kontopaket (Kontobox Small) mehr als einmal pro Monat ihre Zahlungsaufträge völlig selbstständig am Überweisungsterminal abwickeln oder eine Bankomatabhebung machen.

Runter mit dem Zinssatz für Kontoüberziehungen!

Viele Menschen haben aufgrund der Corona-Krise weniger Einkommen, weil sie in Kurzarbeit sind oder ihren Job verloren haben. „Da bleibt oft nur, das Konto zu überziehen“, so die AK KonsumentenschützerInnen. „Ein Minus am Konto kommt teuer.“ Daher verlangt die AK einen verbraucherfreundlichen Corona-Zinssatz für ein Minus am Konto für ein Jahr – maximal fünf Prozent! Zudem fordert die AK ein Aussetzen von „Strafzinsen“, wenn der Kontorahmen überzogen wird. Banken sollen den Kontorahmen auch nicht überraschend kürzen oder kündigen.

Die Zinsen für Kontoüberziehungen sind sehr hoch. Das zeigen alle AK Tests der vergangenen Jahre über die Konditionen auf Girokonten – trotz negativer Zinssätze des für viele Finanzverträge maßgeblichen Euribor-Satzes. „Für die Banken sind die Zinsen der Kontoüberziehung ein gutes Geschäft, für die Bankkundinnen und Kunden ist es ein teures Geschäft“, sagen die AK-KonsumentenschützerInnen. Die AK verlangt von den Banken, dass sie – gerade in der Corona-Krise – ihren BankkundInnen mit vergünstigten Konditionen zur Seite stehen. Sie sollten jenen Kundinnen und Kunden entgegenkommen, die ihren Lebensunterhalt unter anderem mit Kontoüberziehungen finanzieren müssen.  

Kontoüberziehung kostet im Schnitt 10,5 Prozent

„Eine Kontoüberziehung kostet im Schnitt 10,5 Prozent und bei einer Überschreitung des Rahmens, die in Coronazeiten noch öfter notwendig sein wird, gibt es noch einen weiteren Zinsaufschlag“, sagen die AK ExpertInnen. „Die Zinsen für Guthaben am Konto sind hingegen de facto null.“ Der günstigste Zinssatz für ein Minus beträgt 5,375 Prozent, der höchste 13,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Zinsen für neu abgeschlossene Konsumkredite sind – laut Statistik der Österreichischen Nationalbank – mit 5,06 Prozent verzinst (Februar 2020).

Die AK fordert: Die Banken sollen ihren KundInnen mit einem Corona-Zinssatz für Kontoüberziehungen entgegenkommen. „Es ist ein fairer Beitrag der Bank, wenn sie die teuren Überziehungszinsen – im Schnitt 10,5 Prozent pro Jahr – halbieren und keinen Überschreitungszins verlangen. Der Corona-Sonderzinssatz soll also fünf Prozent betragen, fix auf ein Jahr sein und damit nicht teurer sein als ein Konsumkredit“, sagen die AK KonsumentenschützerInnen. Der Corona-Zinssatz soll vor allem jenen Bankkunden durch die Krise helfen, die auf die Kontoüberziehung angewiesen sind.

Überschreitungszins sollte entfallen

Außerdem sollte der Überschreitungszins, etwa vier Prozent, entfallen, wenn der vereinbarte Kontorahmen – meist in der Höhe von zwei bis vier Monats-Nettogehältern – überzogen wird. „Die Banken, die in den letzten Jahren hohe Gewinne verzeichneten, sollen aus der Krise kein Zusatzgeschäft bei Kontoüberziehungen machen“, so die AK. In der AK Beratung melden sich immer wieder KonsumentInnen, die davon berichten, dass der Kontorahmen von der Bank überraschend gekürzt oder zur Gänze gekündigt wurde. „Die Banken sollten für zumindest ein Jahr keine einseitigen, überraschenden Rahmenkürzungen oder –kündigungen vornehmen. Es geht darum, dass Bankkundinnen und -kunden Sicherheit haben, was ihre Finanzen anbelangt.“ 

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