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Sprachschatz heben – Sprachkompetenzen von MigrantInnen wertschätzen und nützen

MigrantInnen sprechen im Schnitt 3 Sprachen

„Da liegt ein Sprachschatz, den man heben sollte“, sagt Gabriele Schmid, Leiterin der Abteilung Bildungspolitik in der Arbeiterkammer Wien (AK). Eine Studie des L&R-Instituts belegt: In Wien sprechen Menschen mit Migrationshintergrund im Schnitt drei Sprachen – mehr als die einheimische Bevölkerung. „Das ist ein enormes Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft“, beschreibt Schmid. „Statt MigrantInnen nur an ihren Deutschkenntnissen zu messen, sollte man ihre Sprachkompetenzen noch besser nützen: in den Betrieben, in der Verwaltung, in Krankenhäusern, in Schulen – etwa im Kontakt mit KundInnen und zur Verbesserung der internen Kommunikation.

Sprachkenntnisse sind wichtig am Arbeitsmarkt

Sprachkenntnisse sind wichtig am Arbeitsmarkt. Ausreichende Deutschkenntnisse sind ebenso wichtig wie das Beherrschen weiterer Sprachen. Häufig werden Menschen mit Migrationshintergrund jedoch in erster Linie an ihren Deutschkenntnissen gemessen, während ihre weiteren Sprachkompetenzen brach liegen. Davon würde nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft profitieren: Mehrsprachigkeit ist ein Vorteil für alle und fördert auf individueller Ebene nicht nur das Vorankommen im Beruf, sondern erleichtert auch das Zusammenleben.

Eine Studie von L&R – es wurden in Wien 2.001 valide Telefon-Interviews mit Menschen mit Migrationshintergrund geführt – zeigt Folgendes:

  • MigrantInnen verfügen über hohe Sprachkenntnisse. Durchschnittlich sprechen MigrantInnen rund drei Sprachen (mehr als Nicht-MigrantInnen) und können diese Sprachen im Arbeitsalltag sowohl für die Kommunikation mit KollegInnen als auch mit GeschäftspartnerInnen einsetzen.

  • Nahezu alle Befragten (96%) verwenden die deutsche Sprache in ihrem Arbeitsleben.

  • 93% der MigrantInnen geben an, dass ihre Deutschkenntnisse für die Ausübung ihres Berufs ausreichend sind.

  • Die Sprachkenntnisse steigen mit zunehmender Aufenthaltsdauer und die Mehrheit der Zweiten Generation spricht Deutsch als Alltagssprache.

  • Zwei Drittel der MigrantInnen, die eine andere Alltagssprache als Deutsch verwenden, können diese Fremdsprache auch im Arbeitsalltag einsetzen. Bei gut der Hälfte (59%) der Befragten trifft dies auf das Gespräch mit KollegInnen zu, ein gutes Drittel (34%) nutzt ihre nicht-deutsche Alltagssprache außerdem geschäftlich und 15% verwenden sie ausschließlich in der Kommunikation mit GeschäftspartnerInnen.

  • Zwei Drittel der MigrantInnen haben schriftlich und mündlich fließende Deutschkenntnisse. 14% können fließend Deutsch sprechen, nicht jedoch schreiben.
Forderung

„Wir wollen, dass die Sprachkompetenzen von MigrantInnen mehr wertgeschätzt und genützt werden“, sagt Gabriele Schmid. Das fordert die Arbeiterkammer:

  1. Förderung von Sprachkursen in Deutsch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch (BKS), Türkisch, Englisch und anderen Sprachen zur Verbesserung vorhandener Sprachkenntnisse.

  2. Schulen sollen motiviert und dabei unterstützt werden, die wichtigsten MigrantInnensprachen als zweite Fremdsprachen in den Schulen einzuführen.

  3. Es soll durch Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit mehr Bewusstsein über den Stellenwert der MigrantInnensprachen geschaffen und der Mehrwert von Mehrsprachigkeit erkannt werden.

  4. Unternehmen sollen MigrantInnensprachen – wenn beruflich eingesetzt - als Zusatzqualifikationen anerkennen und entsprechend honorieren.

  5. Förderung von MigrantInnen in die Ausbildungsberufe LehrerIn und KindergartenpädagogIn, damit Kinder beim Erlernen und Wertschätzen ihrer Muttersprache fachlich adäquat unterstützt werden können.
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