29.3.2013
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Wild­wuchs bei Pf­licht­prak­ti­ka beenden

Jedes Jahr müssen fast 19.000 SchülerInnen berufsbildender Schulen ein Pflichtpraktikum in einem Betrieb machen, haben jetzt erstmals die AK BildungsexpertInnen errechnet. „19.000 Schülerinnen und Schüler sind ein Fünftel eines ganzen Altersjahrgangs. Bei dieser großen Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern um Praktikumsplätze können sich Jugendliche derzeit schwer gegen unfaire Arbeitsbedingungen wehren“, erklärt Gabriele Schmid, Leiterin der AK Wien Abteilung Bildungspolitik.

Arbeit in der rechtlichen Grauzone

Die Arbeiterkammer fordert endlich klare Regeln, gesetzlich und in den Lehrplänen soll verankert werden, dass Pflichtpraktika nur im Rahmen echter Arbeitsverhältnisse zulässig sind. Dringend ist das nicht zuletzt, weil ab dem Schuljahr 2014/15 auch SchülerInnen der Handelsakademien und Handelsschulen ein Pflichtpraktikum machen werden müssen.

Recht auf geregelte Arbeitsverhältnisse!

Mit dem geplanten Pflichtpraktikum für Handelsakademien und Handelsschulen steigt die Zahl der SchülerInnen, die einen Platz brauchen, auf knapp 29.000 jährlich. Alle PflichtpraktikantInnen sollen ein Recht auf geregelte Arbeitsverhältnisse haben, fordert die Arbeiterkammer. Denn derzeit steht die Beschäftigung von PraktikantInnen in einem ordnungsgemäßen Dienstverhältnis nur in der Gastronomie und im Tourismus außer Streit.

Zwei Beispiele für Ausbeutung von Praktikanten

Zwei Beispiele für Ausbeutung von PraktikantInnen aus der AK Arbeitsrechtsberatung: Einer Schülerin wurde gegen Kosten Quartier zur Verfügung gestellt, das lag aber 25 Minuten entfernt, war nur über einen Feldweg erreichbar. Das vereinbarte Essen war ungenießbar, die Schülerin musste verbotene Nachtarbeit und Überstunden leisten, die nicht bezahlt wurden. Eine andere Schülerin sollte gegen 300 Euro Taschengeld praktische Ausbildung nach Lehrplan bekommen. Tatsächlich musste die Schülerin wochenlang Heftklammern aus Papierunterlagen entfernen – und die dann sortieren.

Forderung

Es muss Schluss sein mit dem Wildwuchs bei Pflichtpraktika. Wir brauchen endlich klare Regeln für die Beschäftigung von Pflichtpraktikantinnen und Praktikanten und für die Ausbildungsinhalte im Praktikum. Die AK verlangt:

  1. Gesetzlich und in den Lehrplänen der berufsbildenden Schulen soll ausdrücklich festgelegt werden, dass nur Praktika im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses mit kollektivvertraglicher Entlohnung anerkannt werden.
     
  2. Es sollen Praktikumsbörsen von Schulen und Betrieben eingerichtet werden, über die ein ausreichendes Platzangebot vermittelt wird.

  3. Es soll bundesweit einheitliche Regeln im Sinne einer guten Verbindung von Ausbildung und Arbeit geben. Die Schulen sollen für die Vor- und Nachbereitung von Praktika zuständig sein.
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