5.4.2013
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Einkommensnachteil für Frauen mit kleinen Kindern am höchsten

„Dass der Einkommensnachteil von Frauen sich hartnäckig hält, steht in engem Zusammenhang damit, dass Kinderbetreuung überwiegend auf die Mütter überwälzt wird“, sagt Alice Kundtner, AK Vizedirektorin und Bereichsleiterin Soziales. Das bestätigt eine neue Auswertung der Lohnsteuerstatistik 2011 der Statistik Austria. Betrachtet wurde der Einkommensunterschied nach Altersstufen.


Zwar müssen schon Frauen im Alter zwischen 20 bis 25 Jahren, also in der Zeit des Berufseinstiegs, sich mit zwei Drittel der Männer-Einkommen begnügen. Einen regelrechten Einkommenseinbruch erleben aber Frauen in dem Alter, in dem sie zumeist Kinder zur Welt bringen und die Betreuung am intensivsten ist. Bei den 35- bis 39-Jährigen kumulieren die daraus entstehenden Nachteile. Frauen in dieser Altersgruppe erreichen nur mehr die Hälfte der Männereinkommen. Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss daher bei den Verhandlungen über eine neue Familien-Förderung berücksichtigt werden.

Lohnschere in den Bundesländern

Gravierende Unterschiede bei der Lohnschere in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen gibt es zwischen den Bundesländern. Besonders schlecht ist die Situation für Frauen in Vorarlberg, die in diesem Alter weniger als 38 Prozent der Männereinkommen erreichen. Auch in Tirol und Oberösterreich kommen sie nur auf rund 45 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen. Besser sieht es für Arbeitnehmerinnen in der Bundeshauptstadt aus: in Wien erhalten Frauen zwischen 35 und 40 Jahren immerhin 71 Prozent der Männerverdienste. In Burgenland, Kärnten und Niederösterreich liegen Frauen dieser Altersgruppe mit rund 53 Prozent knapp besser als der Bundesschnitt von 52,5 Prozent.

Die Einkommensunterschiede haben natürlich einen engen Zusammenhang mit der Arbeitszeit, die Frauen mit der Kinderbetreuung vereinbaren können. In jenen Bundesländern, wo das Einkommenstief besonders krass ausfällt, liegt auch die Teilzeitquote bei Müttern mit Kindern unter 15 Jahren besonders hoch. So arbeiten in Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich zwischen 80 und 83 Prozent der Mütter in Teilzeit, in Wien sind es nur 60 Prozent. Auch in Kärnten und Niederösterreich arbeiten Frauen seltener in Teilzeit (71,2 Prozent und 74,2 Prozent) als im Bundesschnitt (74,5 Prozent). (Familien- und Haushaltsstatistik 2011, Statistik Austria)

Angebot an Kinderbetreuung

Die Frage, in welchem Ausmaß Mütter erwerbstätig sein können, hängt wiederum stark an dem vorhandenen Angebot an Kinderbetreuung. Die höheren Betreuungsquoten in den östlichen Bundesländern korrelieren mit dem geringeren Einkommensnachteil. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland haben mehr als 60 Prozent der Kinder unter sechs Jahren einen Betreuungsplatz. Im Gegensatz dazu liegt in Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich der Anteil der Kinder im Vorschulalter mit einem Betreuungsplatz mit 53 Prozent bis 56 Prozent deutlich darunter. (Durchschnitt österreichweit: 57 Prozent, Quelle: Kindertagesheimstatistik 2011/12; Statistik Austria; eigene Berechnungen.)

Eine weitere Ursache für den deutlich geringeren Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern in Wien dürfte in der partnerschaftlicheren Teilung der Betreuungsarbeit liegen. Väter in der Bundeshauptstadt nehmen mit 8,2 Prozent doppelt so häufig Kinderbetreuungsgeld in Anspruch, wie in Österreich insgesamt (4,4 Prozent; Daten NÖGKK Oktober 2012 - danach nicht mehr nach Geschlecht getrennt).

Forderung

Die AK fordert eine Familienpolitik, die die Gleichstellung von Frauen und Männern unterstützt. Daher muss Familienförderung die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker im Fokus haben. Bei den aktuellen Regierungsverhandlungen muss auch ein Paket zum Ausbau der Kinderbetreuung geschnürt werden. Mit 100 Millionen Euro jährlich durch den Bund können in den nächsten vier Jahren 35.000 zusätzliche Plätze für Kleinkinder und bessere Öffnungszeiten bei 70.000 bestehenden Kindergarten-Plätzen geschaffen werden. Dies schafft Beschäftigung in der Kinderbetreuung selbst und erleichtert Eltern den Wiedereinstieg. Zusätzlich zu einem Ausbau der Kinderbetreuungsplätze brauche es auch einen Ausbau des Angebots an Ganztagsschulen und eine Förderung der partnerschaftlichen Teilung von Betreuungspflichten.


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