29.11.2013
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Hoher Druck auf Eltern rund um Karenz und Wiedereinstieg

„Eine aktuelle Auswertung aus der Arbeitsrechtsberatung der AK Wien zeigt ein erschütterndes Bild vom Umgang der ArbeitgeberInnen mit frisch gebackenen Eltern“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Eine Auswertung der Beratung von April bis Juni 2013 ergab 183 Fälle von Versetzungen nach der Karenz, durch die es zu unzumutbaren Verschlechterungen für die ArbeitnehmerInnen gekommen ist. 

Arbeitnehmer verdienen Respekt

„Die ArbeitnehmerInnen verdienen hier mehr Respekt! Wenn allein in Wien in nur drei Monaten derart viele Fälle auftreten, dann gibt es hier ein massives Problem. Dabei sind die Vorfälle, anlässlich der die Menschen zu uns in die Beratung kommen, ja nur die Spitze des Eisbergs“. „Selbst wenn das Arbeits- und Sozialgericht diese Versetzungen nach Eingreifen der AK als rechtswidrig beurteilt, müssen die ArbeitnehmerInnen bis zum Gerichtsentscheid die schlechteren Bedingungen in Kauf nehmen“. „Das soll sich ändern: künftig soll eine Versetzung bei Einspruch der ArbeitnehmerIn erst ab Gerichtsentscheid gültig sein“, fordert Kaske.

Im Detail ergibt die Auswertung aus der Arbeitsrechtsberatung der AK Wien folgendes Bild:

  • 16 Versetzungen an einen anderen Dienstort in Wien
  • 1 Versetzung in ein anderes Bundesland
  • 42 Versetzungen zu einer schlechteren Tätigkeit
  • 19 Fälle von Verlust einer Führungsposition
  • 22 Fälle von Diskriminierung betreffend der Arbeitszeit (Ausmaß, Lage, etc.)
  • in 28 Fällen wurde die Verschlechterung bei Bekanntgabe der Schwangerschaft, Karenz bzw. Elternteilzeit wirksam
  • in 7 Fällen gab es eine Verschlechterung beim Wiedereinstieg in Vollzeit
  • in 48 Fällen gab es bei einem Wiedereinstieg in Elternteilzeit bzw. bei Festlegung der Lage der Arbeitszeit eine Verschlechterung

Dabei zeigte sich, dass eine Person oft auch von mehreren Verschlechterungen gleichzeitig betroffen ist. Jede Verschlechterung wurde als eigener Fall gezählt.

In vielen Fällen Mobbing

„Dass es sich hierbei in vielen Fällen um regelrechtes Mobbing handelt, zeigen die konkreten Leidensgeschichten der Betroffenen“, sagt Kaske. So wurde eine Modeberaterin in einem Bekleidungsgeschäft erst von der Filialleitung und später vom Rechtsanwalt der Firma massiv unter Druck gesetzt, als sie eine Elternteilzeit im Ausmaß von 25 Stunden pro Woche bekannt gab. Sie wurde einfach zu anderen Arbeitszeiten eingeteilt, als laut Elternteilzeit festgelegt wurden und der Vorwurf von Arbeitsverweigerung in den Raum gestellt.

Der AK Präsident: „Außerdem wurde versucht, die KollegInnen gegen die junge Mutter aufzuhetzen. Es wurde ihr vorgeworfen sie sei unkollegial, denn wie kämen ihre Arbeitskolleginnen dazu, aufgrund ihrer Elternteilzeit ständig „unliebsame“ Dienste zu machen. Ihre schriftliche Bekanntgabe der Elternteilzeit wurde im Pausenraum plakatiert.“ Auch im Krankenstand drangsalierte man die Arbeitnehmerin: „Sie erhielt ein Schreiben vom Rechtsanwalt, es bestehe der Verdacht dieser sei nur fingiert und sie sei ungerechtfertigt zuhause.“ Schlussendlich wurde die Frau dann auch in eine andere Filiale in Wien versetzt.

„Durch Einschreiten der AK hat sich die Lage mittlerweile gebessert. In vielen Fällen müssen die ArbeitnehmerInnen jedoch die schlechteren Bedingungen bis zu einer Gerichtsentscheidung in Kauf nehmen.“ Die AK verlangt hier Verbesserungen im Gesetz: „Künftig soll eine Versetzung bei Einspruch der ArbeitnehmerIn erst ab Gerichtsentscheid gültig sein“.

Auffällig sei zudem, dass viele Versetzungen offenbar mit der Bekanntgabe der Elternteilzeit bzw. Festsetzung der Lage der Arbeitszeiten durch die ArbeitnehmerIn in Zusammenhang stünden. „Hier ist die Wirtschaft gefordert, mehr Familienfreundlichkeit an den Tag zu legen. Es kann nicht sein, dass es Flexibilisierung immer nur aufseiten der ArbeitnehmerInnen gibt, die Arbeitgeberseite umgekehrt keinerlei Flexibilität zeigt“.

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