27.3.2013
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Stadt-Land-Gefälle bei Kinderbetreuung

Eine aktuelle AK Auswertung der Kindertagesheimstatistik zeigt extreme Lücken in ländlichen Gebieten. Nur 1 Prozent der Kinder in Gemeinden unter 2.500 EinwohnerInnen hat einen Betreuungsplatz, der mit einer Vollzeit-Berufstätigkeit beider Eltern vereinbar ist. Die Betreuungsquote der Unter-Dreijährigen liegt im überwiegenden Teil dieser Gemeinden (61 Prozent) nur bei 10 Prozent. „Um in Zeiten klammer Budgets Lücken im ländlichen Bereich bei der Kinderbetreuung und bei der Pflege zu schließen, fordert die AK den Einsatz von EU-Mitteln“, so Alice Kundtner, AK Vize-Direktorin und Leiterin des Bereichs Soziales. „Statt in die nächste Güterweg-Asphaltierung soll das Geld in den sozialen Zusammenhalt fließen.“


Obwohl die Vorgaben der EU einen Mitteleinsatz für den Ausbau sozialer Dienstleistungen in ländlichen Gebieten nicht nur erlauben, sondern forcieren sollen, flossen die Mittel in der österreichischen Praxis bislang fast zur Gänze in den landwirtschaftlichen Bereich. Das soll sich ändern. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten im Rahmen der EU-Verordnungen, wie eine Machbarkeitsstudie des KDZ Zentrum für Verwaltungsforschung im Auftrag der AK zeigt.

Mängel bei Kinderbetreuung im ländlichen Gebiet

Dass der Ausbau sozialer Dienstleistungen im ländlichen Raum notwendig ist, zeigt die aktuelle AK Auswertung der Kindertagesheimstatistik 2011/2012 der Statistik Austria. In 61 Prozent der Gemeinden unter 2.500 EinwohnerInnen liegt die Betreuungsquote bei Kindern bis zum dritten Lebensjahr unter 10 Prozent. Nur in 21 Prozent der Gemeinden liegt sie bei mindestens 20 Prozent. Das schmälert vor allem die Jobchancen von Frauen massiv. Umgekehrt das Bild im städtischen Bereich (ab 20.000 EinwohnerInnen, inklusive Wiener Bezirke): 79 Prozent dieser Kommunen haben eine Betreuungsquote über 20 Prozent.

Bei den Öffnungszeiten sind die Mängel bei der Kinderbetreuung im ländlichen Gebiet noch stärker ausgeprägt: Nur 1 Prozent der Kinder in sehr kleinen Gemeinden hat einen Betreuungsplatz, der mit einer Vollzeit-Berufstätigkeit beider Eltern vereinbar ist. (VIF-Indikator: mind. 45 Stunden/Woche geöffnet, Mittagessen, nicht mehr als 25 Betriebstage im Jahr geschlossen). Im städtischen Bereich sind es 51 Prozent.

EU-Mittel sollen in sozialen Zusammenhalt fließen

Die Förderung der regionalen Entwicklung und die Entwicklung des ländlichen Raums sollen aus AK-Sicht nachhaltiger werden und sich nicht nur auf den landwirtschaftlichen Bereich beschränken. Laut Studie des KDZ Zentrum für Verwaltungsforschung bestehen sowohl im Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) als auch im Rahmen des Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gute Fördermöglichkeiten für soziale Dienstleistungen. KDZ-Geschäftsführer Peter Biwald: „Das ist sogar ausdrückliches Ziel der EU-Kommission. Nur wurden diese Fördermöglichkeiten bislang in der österreichischen Praxis kaum genutzt.“

So rechnet das Landwirtschaftsministerium mit 4 Milliarden Euro aus dem ELER für die Förderperiode 2014 bis 2010. Alexandra Schantl, eine der Autorinnen der Studie des KDZ: „Hier bestehen gute Fördermöglichkeiten innerhalb der Maßnahme ‚Entwicklung der lokalen Infrastruktur und lokalen Basisdienstleistungen in ländlichen Gebieten‘. Gemäß Verordnungsvorschlag sind Projekte förderungswürdig, die eine soziale Integration bewirken und der Abwanderung entgegenwirken.“


Forderung

Insgesamt fordert die AK daher 25 Prozent der Mittel aus dem ELER für soziale Dienstleistungen. Das wären 1 Milliarde Euro. Statt in die nächste Güterweg-Asphaltierung soll das Geld in den sozialen Zusammenhalt fließen. Zusätzlich gibt es im Fonds für die regionale Entwicklung (EFRE), aus dem laut Schätzungen des Landes Wien 572 Millionen Euro für Österreich bereit stehen werden, ebenso Potenzial für die Förderung sozialer Dienstleistungen. Die AK fordert, 5 Prozent der Mittel für das EU-Ziel der Förderung der sozialen Eingliederung zu verwenden, wobei die EU hier ausdrücklich Investitionen in die soziale Infrastruktur nennt.


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