30.9.2013
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Mietern wird tief ins Geldbörsel gegriffen

Die Vermieter kassierten 2011 bei MieterInnen kräftig ab: Rund 21 Millionen Euro zahlten neue MieterInnen in Wiener Altbauwohnungen zu viel an Miete. Der Grund: Unzulässige Aufschläge zum Richtwertmietzins. Das zeigt eine aktuelle AK Analyse von Mikrozensus-Daten der Statistik Austria zu den rund 14.700 Wiener Richtwertmietverträgen aus dem Jahr 2011.

„Private Altbaumietwohnungen sind viel teurer als erlaubt, weil das Richtwertmietsystem nicht funktioniert“, resümiert Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Konsumentenpolitik.

Die AK Analyse zeigt: Wer 2011 eine befristete private Altbauwohnung, sehr gut ausgestattet (also Kategorie A), mit 60 Quadratmeter neu angemietet hat, zahlte durchschnittlich 1.610 Euro zu viel an Miete im Jahr. Der unzulässige Aufschlag zum Richtwertmietzins bei befristeten Verträgen beträgt durchschnittlich satte 53 Prozent!

Was der Mietzins ausmachen sollte

Was der Mietzins laut Mietgesetz ausmachen sollte, und was Vermieter verlangten: 2011 betrug der Richtwert in Wien 4,91 Euro pro Quadratmeter. Als durchschnittlich zulässiger Lagezuschlag wurden 0,63 Euro pro Quadratmeter ermittelt. Das ergibt für unbefristete Verträge eine zulässige Nettomiete von 5,54 Euro. Befristete Wohnungen sollten eigentlich billiger sein als unbefristete. Denn bei befristeten Verträgen wäre noch der gesetzliche Abschlag von 25 Prozent abzuziehen, was als zulässige Nettomiete 4,16 Euro pro Quadratmeter ergeben würde.

Unzulässige Aufschläge bei Mieten

Aber: Tatsächlich verrechneten die Vermieter für befristete Altbauwohnungen, Kategorie A, im Schnitt einen Nettomietzins von 6,37 Euro pro Quadratmeter – also um 53 Prozent mehr als erlaubt wäre. Für unbefristete Verträge verlangten sie eine Nettomiete von 6,93 Euro – das ist ein unzulässiger Aufschlag von 25 Prozent.

Im Jahr 2011 wurden rund 14.700 neue Mietverträge für Altbauwohnungen der Kategorie A abgeschlossen, davon waren etwa 6.300 befristet. „Die Vermieter kassierten alleine bei neu abgeschlossenen befristeten Mietenverträgen in Wien 2011 um rund zehn Millionen Euro zu viel an Miete von den Mietern. Rechnet man noch die unbefristeten Mietverhältnisse dazu, sind es sogar rund 21 Millionen Euro“, resümiert Zgubic. „Das zeigt einmal mehr, dass das Richtwertsystem nicht funktioniert und zu intransparent ist. Bei befristeten Verträgen wurde der gesetzliche Befristungsabschlag einfach ignoriert“, so Zgubic.

Auch eine jüngst präsentierte Studie des WIFO bestätigte: Den Abschlag von 25 Prozent für befristet vergebene Wohnungen, wie das im Mietrechtsgesetz vorgesehen ist, gibt es in der Praxis nicht. Befristete Wohnungen sollten eigentlich billiger sein. Tatsächlich sind sie aber laut WIFO österreichweit teurer als unbefristete.

Wohnen muss billiger werden!

Die Vermieter schlagen enorme Aufschläge auf den Richtwert auf. Neue MieterInnen in Wiener Altbauten zahlten dadurch alleine im Jahr 2011 um rund 21 Millionen Euro zu viel an Miete, zeigt eine AK Analyse von Mikrozensus-Daten der Statistik Austria. „Das ist unfair. Die Mieter müssen entlastet werden“, verlangt AK Präsident Rudi Kaske, „dazu sind neue Wohnungen, eine Begrenzung der Mietzuschläge, eine Verbilligung der befristeten Mieten und Entlastungen bei den Betriebskosten nötig.“ 

Forderung
  1. Mehr Wohnbau: Das Konjunkturprogramm für Wohnen ist ein guter Impuls. Mit den zusätzlichen Geldern können 2013 und 2014 insgesamt bis zu 14.000 mehr geförderte Wohnungen zugesichert und gebaut werden. Die Bundesländer müssen die Wohnungen aber auch tatsächlich bauen.
  2. Wohnbauförderung klar regeln: Die Wohnbauförderung und deren Rückflüsse müssen wieder für den Wohnbau eingesetzt und an die Teuerung angepasst werden, damit auch zukünftig mehr günstige Wohnungen gebaut werden können.
  3. Mietrechtsgesetze reformieren: + Die AK verlangt faire Mieten bei privaten Mietwohnungen durch klare Obergrenzen. Die Zuschläge zum Richtwert müssen gesetzlich nach Art und Höhe festgelegt werden und im Mietvertrag aufgezählt werden. Es ist eine gesetzliche Obergrenze für die Zuschläge im Ausmaß von 20 Prozent des Richtwerts vorzusehen. + Entlastungen bei den Betriebskosten: Es ist unfair, dass die Vermieter ihre Kosten den Mietern aufbrummen. Daher sollen Kosten gestrichen werden, die eigentlich keine Betriebskosten sind: Grundsteuer, Verwaltungs- und Versicherungskosten. + Befristungen eindämmen: Befristungen sollen nur ausnahmsweise zulässig sein.
  4. Maklerprovisionen soll Vermieter zahlen: Makler arbeiten für und zum Vorteil der Vermieter, kassieren aber von den Mietern. Im Maklergesetz soll geregelt werden, dass nur der Erstauftraggeber – das ist eben meistens der Vermieter – gegenüber dem Makler provisionspflichtig ist.


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