Hausfassade im Frühling © Tiberius Gracchus, stock.adobe.com
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14.3.2022

Wohnen & Reisen – damit schlugen sich Konsument:innen im Vorjahr herum 

Im Jahr 2021 haben die Arbeiterkammern fast 390.000-mal in Sachen Konsument:innenschutz und Wohnrecht beraten und insgesamt rund 13 Millionen Euro für die Konsument:innen erkämpft, bilanziert die AK anlässlich des Welttages der Konsument:innenrechte (15.3.2022). Großen Ärger bereiteten den Konsument:innen vor allem „die eigenen vier Wände“, Dienstleistungen wie Fitnessstudios, Reisen und Veranstaltungen sowie Einkäufe, Banken und Versicherungen. 

13 Millionen Euro für Konsument:innen erkämpft

Bei den AK Konsumentenschützer:innen war auch im Vorjahr jede Menge los: Jede vierte Anfrage und Beschwerde drehte sich rund ums Wohnen, ein weiteres Viertel rund um Dienstleistungen wie Handwerker, Fitnessstudios, Reisen und Veranstaltungen.

Rund 15 Prozent der Konsument:innen ärgerten sich beim Einkaufen, etwa bei Möbelkäufen sowie über Bank- und Versicherungsleistungen. Weitere Ärgernisse betrafen etwa Handyrechnungen, Internetabzocke, Datenschutzfragen und Identitätsdiebstahl.

„Gerade bei den Reise- und Freizeitdienstleistungen war im Vorjahr oft noch Corona das Thema“, betont die AK Konsumentenschützer:innen. „Die Konsumentinnen und Konsumenten beschwerten sich da meist über stornierte Flüge, abgesagte Veranstaltungen und geschlossene Fitnessstudios.“

Konsument:innen mussten trotz klarer Rechtslage sehr oft ihrem Geld nachlaufen – das betraf vor allem abgesagte Flüge und Fitnessstudios. „In vielen Fällen bekamen die Konsumentinnen und Konsumenten nur mit Hilfe der AK Konsumentenschützer:innen ihr Geld zurück“, erzählen die AK  Konsumentenschützer:innen und nennen ein Beispiel: „So haben wir 60 Konsument:innen geholfen, den Kaufpreis für umetikettierte teure ‚Made in Austria‘-Masken zurückzubekommen, die angeblich aus China importiert waren. In Summe waren das rund 10.000 Euro.“

In etwa 19.000 Fällen mussten die AK Konsument:innen- und Wohnrechtsberater:innen bei Unternehmen außergerichtlich intervenieren und konnten dabei 10,3 Millionen Euro für die Konsument:innen rausholen. Auffällig: Betrugsfälle beim Online-Banking haben zugenommen. Auch hier unterstützt die AK die Betrugsopfer. Nach Ansicht der AK müssen in den meisten Fällen die Banken die Haftung übernehmen.

Die Arbeiterkammern klagten rund 300-mal vor Gericht und erstritten 2,7 Millionen Euro für die Konsument:innen. So klagte die AK zum Beispiel gegen hohe Stornokosten von Reiseveranstaltern, Check-in-Gebühren von Billigairlines, Servicegebühren bei abgesagten Veranstaltungen sowie lange Bindungsfristen und unzulässige Zusatzgebühren bei Fitnessstudios. Auch gegen den Online-Zahlungsdienstleister brachte die AK Klage ein wegen unzulässiger Klauseln, zu hohen Mahnspesen und Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

„Insgesamt haben wir also rund 13 Millionen Euro für die Konsumentinnen und Konsumenten erkämpft“, fassen die AK Expert:innen zusammen. „Das ist gegenüber 2020 ein Plus von rund einem Fünftel.“

Konsument:innen brauchen bessere Rechte!

Konkret verlangt die AK: 

  • Nicht zu viel vorauszahlen: Speziell bei Flugbuchungen soll bei der Buchung nur eine geringe Anzahlung geleistet werden. Der Restbetrag soll erst unmittelbar vor Abflug bezahlt werden müssen. Bei Flugbuchungen erfolgt oft lange vor dem Abflugtermin die vollständige Bezahlung des Tickets. Und gerade bei Flugbuchungen haben sich übliche Vorauszahlungen als großes Problem herausgestellt, da berechtigte Rückforderungsansprüche bei Absagen oft ignoriert werden.  

  • Längere Lebensdauer und besser reparierbar: Speziell für langlebige Produkte wie Haushaltsgeräte muss die Gewährleistungsfrist verlängert werden. Die AK kann sich eine Verlängerung auf etwa fünf Jahre vorstellen. Eine bessere, transparente und leicht verständliche Konsument:inneninformation zu Haltbarkeit und Reparierbarkeit soll Konsument:innen eine bessere Kaufentscheidung ermöglichen. Reparaturen sollen technisch möglich, einfach durchführbar sowie leistbar sein. Denn Produkte, die rasch kaputtgehen und schwer zu reparieren sind, etwa ein Akkutausch, ärgern Konsument:innen und kosten auch Geld. 

  • Künstliche Intelligenz darf Konsument:innenrechte nicht verschlechtern: Auf europäischer Ebene werden derzeit Regelungen für den Einsatz künstlicher Intelligenz diskutiert. Die bestehenden Vorgaben reichen derzeit nicht aus, um Konsument:innen vor Intransparenz, Datenschutzverletzungen und Diskriminierung zu schützen.
     
    Um einen ausreichenden Datenschutz und die Wahrung der Konsument:innenrechte zu gewährleisten, braucht es wirksamere und nachvollziehbare Regeln vor allem bei Transparenz, Grundrechtsschutz, Nichtdiskriminierung und Datensicherheit.
     
    Besonders risikoreiche Anwendungen müssen einer Vorab-Prüfung unterworfen werden. Staatlich ermächtigte Stellen sollen Einblick in die technischen Prozesse nehmen können. Behördliche Prüfprozesse sollten sicherstellen, dass keine diskriminierenden und datenschutzwidrigen Entscheidungsparameter verwendet werden. 

  • Mehr Schutz beim Kauf auf Online-Marktplätzen: Nach dem künftigen „Digitalen Dienste Gesetz“, das derzeit auf europäischer Ebene verhandelt wird, müssen Dritthändler, die auf großen Plattformen wie Amazon& Co sind, rückverfolgbar sein. Diese Plattformen müssten Dritthändlerangaben (Name, Anschrift oder Kontaktdaten) demnach vor der Freischaltung prüfen.

    Konsument:innen dürfen aber nicht darauf vertrauen, dass plattformseitig geprüfte Angaben stimmen. Haftungsregeln, wann Plattformen für eigene Fehler und jene von Drittanbietern einstehen müssen, fehlen, wären aber für eine wirksame Rechtsdurchsetzung notwendig.
     
    Auch ‚dark patterns‘, also psychologische Tricks, um das Verhalten von Nutzer:innen zu steuern, sollen beim Plattformdesign verboten werden. Anbieter dürfen ihren Online-Marktplatz jedenfalls nicht so gestalten, dass Konsument:innen manipuliert werden, indem sie ihre „Autonomie, Entscheidungsfreiheit oder Wahlmöglichkeiten“ beeinträchtigen. Wann dies genau der Fall ist, bleibt derzeit in dem geplanten Gesetz offen. Hier gehört nachgebessert.

Kontakt

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Arbeiterkammer Burgenland
Konsumentenschutz
T: 02682 740 3961
E: konsumentenschutz@akbgld.at