AK-Präsident Gerhard Michalitsch und AK-Konsumentenschützer Mag. Christian Koisser © Felder, AK Burgenland
AK-Präsident Gerhard Michalitsch und AK-Konsumentenschützer Mag. Christian Koisser © Felder, AK Burgenland

AK-Konsumentenschutz: Pandemie verstärkt Trend zu Online-Geschäften und befeuert Teuerung

Covid-19 brachte auch im Vorjahr weitreichende Einschränkungen mit sich. Viele mussten auch 2021 von zu Hause aus arbeiten, andere waren in Quarantäne oder zumindest weitgehend isoliert, zusätzlich hatten viele Geschäfte geschlossen. Online-Shopping gewann weiter an Bedeutung und machte es so manchen Betrügern noch leichter. Denn das Shopping im WorldWideWeb birgt so manche Tücken. Das spiegelt sich auch in den Anfragen bei den Konsumentenschützer:innen der Arbeiterkammer Burgenland wider. „Die Pandemie hat direkte Auswirkungen auf die Konsument:innen. Nicht nur, dass durch das vermehrte Online-Shopping das Risiko steigt, Opfer von unseriösen Machenschaften zu werden, kann es aber auch ziemlich teuer werden, wenn Konsument:innen in eine Mahn- und Inkassospirale geraten. Letztlich muss man sagen: Die Konsument:innen zahlen zum großen Teil die Zeche“, berichtet Mag. Christian Koisser, Leiter des AK-Konsumentenschutzes.

Wie schon 2020 bestimmte die Pandemie auch die Beratungstätigkeit der AK-Konsumentenschützer:innen im Vorjahr und bescherte ihnen jede Menge Arbeit. Was sich natürlich auch in den Beratungszahlen niederschlägt. Immerhin haben die AK-Konsumentenschützer:innen 2021 5.764 Anfragen zu konkreten Fällen beantwortet. Auch mussten 406 Interventionen bei Unternehmen erfolgen. Dabei haben sie 363.520 Euro für die Konsument:innen herausgeholt. „Das sind gewaltige rund 150.000 Euro oder 70 Prozent mehr als im Vorjahr, und mehr als viermal so viel wie 2019! Diese 363.520 Euro sind aber nur die Spitze des Eisbergs – das sind nur die Interventionen – darin enthalten ist nicht das Geld, dass sich Konsument:innen durch über 5.700 Beratungen erspart haben“, betont AK-Präsident Gerhard Michalitsch.  

Ärger beim Online-Kauf

Den Beratungsschwerpunkt stellten die Online-Einkäufe dar. Schließlich nutzen unseriöse Geschäftemacher das Internet für dreiste Abzocke. Diese Erfahrung mussten im Vorjahr auch zahlreiche burgenländische Konsument:innen machen. „Unseriöse Plattformen und Fake-Shops liefern derzeit schon professionelle Auftritte und nur mit einer gehörigen Portion Misstrauen ist es möglich, einigermaßen sicher auch bei nicht bekannten Online-Shops zu bestellen. Die Tricks der Betrüger sind außerdem sehr gewieft. Sie machten sich beispielsweise während der Lockdowns die Tatsache zunutze, dass viele Pakete verschickt und erwartet wurden. Mit gefälschten Nachrichten zu Paketen wurden schließlich zahlreiche Konsument:innen dazu verleitet sich Schadsoftware auf Ihre Handygeräte zu laden oder Daten bekannt zu geben“, kennt AK-Konsumentenschützer Mag. Christian Koisser die Tricks der Betrüger. 

Besonders viele Anfragen erreichten die Konsumentenschützer:innen im Zusammenhang mit Zahlungsdienstleistern, wobei besonders häufig das Unternehmen Klarna eine Rolle spielte. Koisser: „Werden die Zahlungen über dieses Unternehmen abgewickelt, so erscheint dies relativ komfortabel. Und das ist es auch, wenn alles wie vorgesehen funktioniert. Der Zahlungsdienstleister zahlt, Kunden erhalten die Ware und vergüten dem Zahlungsdienstleister die Zahlung. Kunden wollen zurücktreten? Die Ware wird nicht geliefert? Die Ware ist beschädigt? Kunden zahlen irrtümlich an den Verkäufer? Für diese Fälle funktioniert die künstliche Intelligenz, die auf einen raschen und reibungslosen Verlauf des Zahlungsdienstes ausgelegt ist, offensichtlich nicht besonders gut. Schnell werden Kunden, die noch keine Ware erhalten haben, mit Inkassoschreiben und hohen Inkassokosten konfrontiert. Und viele erhalten dann auch noch die falsche Auskunft, zahlen müsse man jedenfalls, eine Nichtlieferung müsse man sich eben mit dem Verkäufer ausmachen.“ 

Etwas mehr Sicherheit im Internet garantiert eine AK-Initiative. Gemeinsam mit der Plattform Safer Internet führt die AK seit zwei Jahren Workshops durch, damit der/die informierte Konsument:innen gegen Betrugsversuche weitestgehend gewappnet ist. „Trotz Pandemie konnten wir 2021 immerhin über 100 Workshops durchführen. Ergänzt haben wir das mit Webinaren, an denen über 400 Interessierte teilgenommen haben. Auch 2022 werden wir diesen Weg fortführen. Wir wollen schon ganz früh anzusetzen und dabei den Teilnehmer:innen helfen, die Gefahren im Internet zu minimieren und ihnen Online-Ärger zu ersparen. Sie sollen gar nicht erst in die Fallen tappen“, erklärt der AK-Präsident. 

 Gerade Reisewillige hatten es 2021 nicht gerade leicht. Viele Reisen wurden abgesagt. Oft bedurfte es einer Engelsgeduld bis zur Rückerstattung der bei Fluglinien und Reiseveranstaltern geleisteten Anzahlungen. Besonders kompliziert wurde es häufig, wenn Buchungsplattformen mit im Spiel waren. Doch auch immer wieder abgesagte Veranstaltungen aus den Bereichen Sport, Kunst und Kultur sorgten für Ärger.

Weitere Schwerpunkte unter den Konsument:innenanfragen: Lange Lieferzeiten bei Bestellungen, häufig auch Lieferverzug und Preissteigerungen bei Baustoffen und zuletzt massiv bei Energieversorgern.

Neue Konsumentenschutz-Gesetze 2022

Während Cyber-Kriminalität leider auch im Jahr 2022 eine große Rolle spielen wird, verspricht das heurige Jahr auch Verbesserungen für Konsument:innen. Unter anderem beim neuen Verbrauchergewährleistungsrecht. Die Gewährleistungsfrist wurde nicht verlängert, sie beträgt weiterhin zwei Jahre. Verbesserungen sind hingegen, dass nun auch nach Ablauf der zwei Jahre eine weitere Frist für eine Klage bei Gericht eingeräumt wird und dass nun während des ersten Jahres nach dem Erwerb einer Ware davon ausgegangen wird, dass ein dann auftretender Mangel schon beim Kauf vorhanden war. Das Gegenteil muss der Verkäufer beweisen. „Also eine Beweislastumkehr zugunsten des Käufers – und das ist ein guter Erfolg! Trotzdem fordern wir weiterhin eine allgemeine Verlängerung der Gewährleistungsfrist auf 5 Jahre“, proklamiert Michalitsch.

Ein weiterer Erfolg kann mit dem neuen Telekommunikationsgesetz verbucht werden. Es beinhaltet, dass bei einem Anbieterwechsel nun kostenfrei die Telefonnummer beibehalten werden kann. Bei einem Wohnungswechsel läuft der Vertrag weiter wie bisher, kann die Leistung aber nicht erbracht werden, so können Kunden vorzeitig kündigen. Außerdem müssen Verträge nun übersichtlich zusammengefasst werden, um Kunden das Verständnis zu erleichtern. 

„Sowohl unsere Beratungszahlen als auch unsere interessenpolitischen Erfolge zeigen, dass wir als AK Burgenland ganz nah an unseren Mitgliedern sind und den burgenländischen Arbeitnehmer:innen und Konsument:innen zur Seite stehen“, versichert der AK-Präsident.   

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