2.2.2018
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AK-Rechtsschutz: Die Bilanz 2017

Trotz sinkender Arbeitslosigkeit hatten die Rechtsexpertinnen und Experten der AK Burgenland auch 2017 alle Hände voll zu tun: Sie führten im Vorjahr über 40.000 Beratungen und an die 2.400 Vertretungen durch.

Dabei wurde für die burgenländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die unglaubliche Summe von 17 Millionen Euro herausgeholt und somit für jeden Euro Mitgliedsbeitrag allein durch den AK-Rechtsschutz 1,70 Euro entweder vor Gericht erstritten oder bei Arbeitgebern bzw. im Insolvenzfall sichergestellt.

AK-Präsident Gerhard MICHALITSCH: „Die Arbeitnehmer brauchen eine starke AK, die ihnen im Fall des Falles mit Rat und Tat zur Seite steht. Das belegen die Rechtsschutzzahlen schwarz auf weiß. Diese Leistungen für unsere Mitglieder können wir nur aufrechterhalten, wenn die Mitgliedschaft zur AK sowie die Mitgliedsbeiträge unangetastet bleiben. Denn über jeden der 17 Millionen Rechtsschutz-Euro hinaus, profitieren von unserer Arbeit alle im Burgenland Beschäftigten!“

 

Die Rechtsschutzbilanz 2017 in Zahlen

Im Vorjahr hat die AK Burgenland

  • 40.260 Beratungen im Arbeits- und Sozialrecht, der Insolvenzvertretung sowie im Lehrlings-und Jugendschutz durchgeführt. Das sind 160 Beratungen pro Arbeitstag.
  • sowie 2.383 Vertretungen bestritten – durch 810 Klagen beim Arbeits- und Sozialgericht, 830 Interventionen bei Arbeitgebern sowie 743 Insolvenzvertretungen.
  • und dabei die beeindruckende Summe von 17 Millionen Euro für die Mitglieder erreicht. Mit 9 Millionen entfiel der größte Anteil auf das Sozialrecht. In Insolvenzverfahren wurden 5,8 Millionen Euro herausgeholt und im Arbeitsrecht 2,2 Millionen Euro an vorenthaltenen Löhnen und Gehältern erstritten.


1. Beratungen

Mit über 40.000 Beratungen, die persönlich, telefonisch, und per Mail durchgeführt werden, ist die AK Burgenland eine unverzichtbare Anlaufstelle für die burgenländischen Arbeitnehmer.

Mehr als zwei Drittel der Beratungen entfallen auf das Arbeitsrecht, rund ein Viertel auf das Sozialrecht und der Rest auf die Bereiche Insolvenz bzw. Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Mehr als die Hälfte der Beratungen erfolgt telefonisch, womit sofort und unmittelbar Hilfe geleistet werden kann.

Vor dem ersten, direkten Kontakt nutzen viele Arbeitnehmer bereits das Online-Angebot der AK. Auch unter den 230.000 Seitenaufrufen, die die AK-Homepage im Vorjahr verzeichnet hat, liegt das Arbeitsrecht mit großem Abstand an der Spitze.

 Doris Graser-Kern: „Viele Arbeitnehmer holen sich aus dem Internet erste Informationen. Eine umfassende persönliche Beratung, die genau auf die individuelle Situation abstellt, können die besten Online-Tools aber nicht ersetzen. Deshalb ist und bleibt diese persönliche, vertrauliche Beratung das wichtigste Service-Angebot.“

 

2. Vertretungen

A. Arbeitsrecht

Nur 5 Prozent der 830 Interventionen gegen Arbeitgeber wurden im aufrechten Beschäftigungsverhältnis durchgeführt.

„Viele Beschäftigte im aufrechten Arbeitsverhältnis sind ängstlich und zögern, wenn es darum geht, ihre Rechte durchzusetzen. Sie verzichten oft aus Angst um ihren Arbeitsplatz auf rechtliche Schritte und auf viel Geld, das ihnen zusteht“, sagt Doris Graser-Kern. „Aus diesem Grund betreffen 95 Prozent aller arbeitsrechtlichen Interventionen jene Fälle, in denen das Arbeitsverhältnis bereits beendet wurde.“

 

Branchen und arbeitsrechtliche Probleme

 

In diesen Branchen gab es 2017 die meisten arbeitsrechtlichen Probleme:
1. Hotel- und Gastgewerbe
2. Bau- und Baunebengewerbe
3. Handel
4. Metallbereich
5. Güterbeförderung

 

Die häufigsten Verstöße betreffen arbeitszeitabhängige Ansprüche sowie falsche Einstufungen. Ein oft erkennbares Muster ist, dass die Anmeldung für Teilzeit erfolgt, jedoch Vollzeit und darüber hinaus gearbeitet wird. Die Bezahlung erfolgt in Pauschalen und liegt oft unter dem Kollektivvertrag.

Viel zu oft fallen um Lohn bzw. Gehalt geprellte Arbeitnehmer auch noch den viel zu kurzen Verfallsfristen im Arbeitsrecht zum Opfer.  

 

Facharbeiter monatelang um Überstunden geschnalzt

In einem besonders haarsträubenden Fall vertrat die AK einen 50-jährigen Facharbeiter aus dem Bezirk Mattersburg, der ein dreiviertel Jahr in einem Fleischereibetrieb beschäftigt war. Im Schnitt kam er auf 75 Überstunden pro Monat, die zu bezahlen der Chef sich jedoch weigerte. Nach neun Monaten hatte der Arbeitnehmer die Nase voll, kündigte und wandte sich an die AK. Die Überprüfung ergab, dass der Facharbeiter auch zu niedrig eingestuft war. Allein wegen der Überstunden war er Monat für Monat um 1.400 Euro brutto geprellt worden. Mit weiteren Ansprüchen aus der Beendigung des Dienstverhältnisses erhielt der Betroffene auf Intervention der AK eine Nachzahlung von mehr als € 11.700. 

 

Falsche Einstufung kostete Angestellte 860 Euro pro Monat - jahrelang

Auch im Angestelltenbereich ist man vor falschen Einstufungen nicht gefeit. So ergangen einer 55-jährigen Nordburgenländerin, die nach 8 Jahren als Angestellte in einem Metallbetrieb die Firma verließ und sich an die AK wandte. Obwohl sie zu Beginn ihres Dienstverhältnisses alle Zeugnisse/Unterlagen vorgelegt hatte, wurden ihr vom Dienstgeber keine Vordienstzeiten angerechnet. Auch die Einstufung erfolgte in einer zu niedrigen Verwendungsgruppe. Bei der Überprüfung ihrer Bezüge durch die AK kam heraus, dass sie Monat für Monat um 860 Euro zu wenig bekommen hatte. Auf 8 Jahre hochgerechnet, wurde der Arbeitnehmerin die stolze Summe von über 80.000 Euro vorenthalten. Aufgrund der Verjährungs- und der in der Branche geltenden kurzen Verfallsfrist, war der Großteil dieses Betrages nicht mehr einbringbar. Letztlich erhielt die Angestellte auf Intervention der AK eine Nachzahlung von 14.128 Euro.  

 

Doris Graser-Kern: „Mit Klagen und Interventionen hat die AK Burgenland im Vorjahr 2,2 Millionen Euro erstritten, die den Arbeitnehmern von ihren Dienstgebern vorenthalten worden waren. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Beträge sind wegen der zu kurzen Verfallsfristen verloren!“

 

B. Sozialrecht

Im Sozialrecht konnten die AK-Rechtsexperten im Vorjahr 155 Verfahren positiv abschließen.

Eine zugesprochene Invaliditäts- oder Schwerarbeitspension, Pflegegeld oder eine Unfallrente sichert dem betroffenen Arbeitnehmer und seiner Familie oft Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – die Existenz.

2017 konnten so Ansprüche im Ausmaß von 9 Millionen Euro sichergestellt werden.

  

C. Insolvenzen: Hilfe, wenn die Firma kracht

Im Bereich des Insolvenzrechts wurden 2017 für 743 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer offene Forderungen in der Höhe von 5,8 Millionen Euro herein-gebracht.

     

3. AK-Forderungen an Politik und Wirtschaft

  • Abschaffung der Verfallsfristen von weniger als drei Jahren
  • Kein Aushöhlen/Verwässern der Maßnahmen gegen Lohn- und Sozialdumping durch die neue Bundesregierung
  • Keine Ausweitung der bestehenden Arbeitszeitgrenzen (12-Stunden-Tag, 60-Stunden-Woche)

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