13.6.2018
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Zukunftsprogramm: Leistungsstark für Arbeitnehmer

Von Anfang März bis Ende Mai hieß es „Wie soll Arbeit?“. Die große Dialoginitiative der Arbeiterkammer und des ÖGB lud burgenländische Arbeitnehmer zum Mitreden und Mitbestimmen ein. Die Ergebnisse sind in ein Zukunftsprogramm gegossen und weisen der Arbeiterkammer den Weg der nächsten Jahre. 

Eine überaus starke Beteiligung verzeichnen Arbeiterkammer und der ÖGB bei der Dialog-Initiative „Wie soll Arbeit?“ Während die Zahlen Österreich mit 301.224 teilgenommenen Personen ein respektables Ergebnis bescheinigen, tut sich das Burgenland besonders hervor. Mehr als 12 Prozent der burgenländischen Arbeitnehmer haben sich beteiligt und ihre Wünsche, Sorgen, Erwartungen sowie Anliegen kundgetan. „Im Burgenland verzeichnen wir einen Spitzenwert. Bei über 200 verschiedenen Dialog-Aktionen allein im Burgenland – Betriebsbesuche, Straßenaktionen und Groß- wie Fachveranstaltungen – haben wir einen intensiven Dialog mit den Arbeitnehmern geführt. 12.124 Menschen beantworteten nach derzeitigem Stand die Fragen zu den sieben politischen Themen und sechs AK-Leistungen schriftlich. Doch nicht nur in persönlichen Gesprächen, sondern auch via Mail hat ein reger Meinungsaustausch stattgefunden“, versichert ÖGB-Landessekretär Andreas Rotpuller.  

10.038 Papierfragebögen aus dem Burgenland zählten die Meinungsforscher bei IFES. 2.086 burgenländische Arbeitnehmer taten online ihre Meinung kund.  

Große Zufriedenheit bei den Mitgliedern 

„Gleich zu Beginn möchte ich festhalten: Unsere Mitglieder schätzen das Beratungsangebot der Arbeiterkammer Burgenland. Das zeigt auch die Dialog-Initiative. 85 Prozent finden den Rechtschutz und die Beratung im Arbeits- und Sozialrecht besonders wichtig. 78 Prozent den Konsumentenschutz, 73 Prozent die Beratung zum Thema Wohnen – im Burgenland ist das aufgrund der Mietrechtsberatung des Landes und wegen der vielen Eigenheime eine Beratung im Rahmen des Konsumentenschutzes, vor allem für Häuslbauer. Ebenfalls 73 Prozent finden die Beratung und Unterstützung bei Aus- und Weiterbildung sehr wichtig. Und – und das ist mir ganz besonders wichtig! – 77 Prozent, also mehr als Dreiviertel unserer Mitglieder halten die Beratung vor Ort, in den AK-Regional- und Bezirksstellen für sehr wichtig“, gibt Direktor Mag. Thomas Lehner Einblicke in die Ergebnisse der Initiative. 

Auch die Vertretung der Arbeitnehmer gegenüber Wirtschaft und Politik schätzen die AK-Mitglieder. „Unsere Mitglieder sind mit unserer Arbeit zufrieden. Dabei agieren wir besonders kosteneffizient. Speziell im Vergleich mit anderen gesetzlichen Kammern. Im Vergleich mit der Wirtschaftskammer Burgenland hat die AK mehr als 5-mal so viele Mitglieder, aber um ein Drittel weniger Mitgliedsbeiträge. Während wir 99.000 Mitglieder zählen, sind es bei der WK nur 19.000. Die Mitgliederbeiträge belaufen sich bei der AK auf 10,2 Millionen Euro, bei der WK auf 15,7 Millionen Euro“, rechnet Lehner vor.  

Ähnlich die Situation gegenüber der Landwirtschaftskammer. Lehner: „Die Arbeiterkammer hat im Vorjahr rund 75.000 Euro an Subventionen der öffentlichen Hand, vor allem für konkrete Projekte, erhalten, die Landwirtschaftskammer Burgenland bekommt hingegen rund 40 Prozent ihres Budgets - 3,6 Millionen Euro - von Land und Bund – also nicht von ihren Mitgliedern, sondern vom Steuerzahler. Das ist 48-mal mehr an Steuergeld als die AK bekommt.“ 

Diese Zahlen gehen mit einigen Reformen und Einsparungen einher. In den 1990er Jahren haben über 80 Prozent der damals pensionsberechtigten Beschäftigten freiwillig einer spürbaren Kürzung ihrer Ansprüche zugestimmt. Seit 15 Jahren erhalten neu eintretende Mitarbeiter nur noch eine kleine Betriebspension, wie sie in zahlreichen Unternehmen üblich ist. In den letzten Jahrzehnten wurden kleine Bibliotheksstandorte geschlossen. Zuletzt die AK-Bibliothek in Neusiedl am See. Dazu wurden auch Beratungsstellen in den Gemeinden geschlossen, vor zwei Jahren etwa Rechnitz. Die EDV wird nicht mehr von externen Firmen betreut, sondern seit 10 Jahren von der AKNÖ. Auch aktuell laufen Prozesse um Synergien besser zu nutzen z.B. zur Einführung des elektronischen Rechtverkehrs. „Alles in allem: Die AK Burgenland ist laufend dabei sich zu erneuen und unnötige Kosten einzusparen“, unterstreicht Lehner. 

Den Mitgliedern verpflichtet 

„Drei Monate lang haben die Arbeitnehmer und Mitglieder mitgeredet, jetzt wird es Zeit mitzubestimmen, denn die Wünsche der Arbeitnehmer sind unser Auftrag“, postuliert ÖGB-Landesvorsitzender Erich Mauersics. Und die Vorstellungen der Arbeitnehmer sind inhaltlich klar. Für 95 Prozent sollen der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche die Ausnahme bilden und sämtliche Zuschläge erhalten bleiben. Kontrolle und Strafen für Firmen, die Lohn- und Sozialdumping betreiben, fordern 98 Prozent der Befragten. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist 98 Prozent ein Anliegen. Für Obergrenzen bei Mieten sprechen sich 96 Prozent aus. Bezahlte Weiterbildung, um für die Digitalisierung gewappnet zu sein befürworten 96 Prozent der Befragten. 95 Prozent empfinden die Anhebung des Pensionsalters als unnötig. Geht es nach 96 Prozent der Befragten sollen Menschen, die ihren Job verlieren, weiterhin Unterstützung erhalten ohne auf ihr Erspartes zurückgreifen zu müssen. 

„Für uns ist und bleibt die Meinung der Arbeitnehmer das A und O. Unser Maßstab quasi. Wir richten uns nach der Meinung der Arbeitnehmer und nach sonst niemanden. Wir sind lediglich unseren Mitglieder verpflichtet“, betont Mauersics. 

Das AK-Zukunftsprogramm  

„Die Ergebnisse der Initiative zeigen, unsere Arbeit wird honoriert, aber wir wollen noch mehr bieten. Mehr Unterstützung, mehr Leistung fürs gleiche Geld. Genau daher haben wir aufgrund der Ergebnisse ein Zukunftsprogramm erarbeitet“, stellt AK-Präsident Gerhard Michalitsch klar. 

Das Zukunftsprogramm umfasst zwei große Säulen. Die erste Säule ist eine Investition in das Zukunftsthema Digitalisierung. „Wir stehen vor einer Digitalisierungs-Revolution. Einerseits ist die Digitalisierung eine große Chance – zumindest für jene mit dem entsprechenden Know-how – anderseits droht beim Verschlafen der Entwicklung die Digitalisierung zum Job-Killer zu werden. Soweit solle es nicht kommen, daher nehmen die Arbeiterkammern bundesweit 150 Millionen Euro für eine große Digitalisierungsoffensive in die Hand. Ein echter Kraftakt. Dieses Geld wird durch die Auflösung bzw. Umwidmung von Rücklagen, durch Kreditaufnahmen und die Nutzung aller Effizienzpotentiale aufgestellt“, erläutert Michalitsch. 

Diese 150 Millionen Euro gehen in zwei Fonds: einmal in den Qualifizierungsfonds für die gezielte Weiterbildung von Beschäftigten. Dieser Fonds wird direkt für Kurse, Lehrgänge und Teilnahmegebühren oder als Stipendien verwendet. Andererseits in den Projektfonds unter dem Titel „Arbeit 4.0“. Projekte, die daraus mit bis zu 50 Prozent gefördert werden könnten, sind z.B. Initiativen zur betrieblichen Weiterbildung oder Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität der Beschäftigten. Zusätzlich zu diesen Fonds werden auch verstärkt Beratungen mit Schwerpunkt auf die Digitalisierung angeboten. 

Die zweite große Säule stellt neue Leistungs-Schwerpunkte in den drei Schlüsselbereichen Bildung, Pflege und Wohnen. Bei einer Bildungsberatung für junge Menschen gilt es den 14- und 15-Jährigen bei der Entscheidung weiterführende Schule oder Lehre zu helfen. Michalitsch: „Die AK lotst sie durch den Bildungs-Dschungel!“ Im Pflegebereich wiederum werden im Zuge der Registrierung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe, neue Beratungsleistungen für diese Beschäftigten angeboten. 

Neben diesen inhaltlichen Schwerpunkten steht auch der Ausbau des Leistungsangebotes auf dem Programm. Das „AK-Mitgliederservice 4.0“ beinhaltet mehr Skype-Beratung und regelmäßige Fragestunden auf Social Media-Kanälen.  

„Dieses Zukunftsprogramm leitet sich direkt von den Anliegen unserer Mitglieder ab. Es ist ein Angebot an unsere Mitglieder: Noch mehr Leistungen für den geringen AK-Mitgliedsbeitrag wie bisher, für durchschnittlich 6,19 Euro im Monat! Klar ist aber auch: Dieses Zukunftsprogramm können wir nur stemmen, wenn es zu keiner Kürzung des AK-Mitgliedsbeitrags durch die Bundesregierung kommt!“, gibt der AK-Präsident zu bedenken. 

„Zum Schluss möchte ich die Chance nutzen und danke sagen. Danke an die Arbeitnehmer, die mit uns in den Dialog getreten sind und danke an alle jene, die mitgeholfen haben“, so Michalitsch abschließend.

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