27.1.2017
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

AK / ÖGB-Rechtsschutz Die Bilanz 2016

AK/ÖGB-Rechtsschutz: Der Schutzschirm für die burgenländischen ArbeitnehmerInnen

Die AK Burgenland, der ÖGB und die Gewerkschaften bieten ihren Mitgliedern einen kostenlosen Rechtsschutz in arbeits- und sozialrechtlichen Fällen an. Die gemeinsame Rechtsschutzbilanz drückt in Zahlen diese Arbeit aus. In dieser Bilanz sind andere wichtige Service-Bereiche der AK Burgenland wie Konsumentenschutz, Steuerrecht, Jugendschutz oder Bildung, wo ebenfalls Jahr für Jahr zehntausende ArbeitnehmerInnen betreut werden, nicht enthalten.

„Die schlechte Lage am Arbeitsmarkt im Jahr 2016 spiegelt sich auch in der Rechtsschutzbilanz wider“, schließt AK-Präsident Alfred Schreiner aus der Statistik. „Durch die Rekordarbeitslosigkeit im Jahr 2016 sind die burgenländischen ArbeitnehmerInnen enorm unter Druck geraten. Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist groß und viele Beschäftigte lassen sich aus diesem Grund Rechtsverstöße gefallen. In ganzen Branchen ist Lohn- und Sozialdumping zu einem Riesenproblem geworden, das den Verdrängungswettbewerb am Arbeitsmarkt befeuert. Das zeigen hunderte Fälle in unserer Arbeitsrechtsberatung.“

 

Die Bilanz 2016 in Zahlen

AK, ÖGB und die Gewerkschaften haben im Jahr 2016 mit ihrem Rechtsschutz

  • 63.654 Beratungen (durchschnittlich 255 Beratungen pro Arbeitstag) und
  • für 5.287 ArbeitnehmerInnen Interventionen, Gerichts- und Insolvenzvertretungen mit einem Gesamtstreitwert von 11,6 Millionen Euro durchgeführt.

1. Arbeitsrecht

A. Beratungen im Jahr 2016

  • 54.895 Beratungen

Daneben werden die Online-Angebote der Arbeiterkammer Burgenland intensiv genutzt. Auf der Homepage der AK Burgenland wurde im Jahr 2016 mit Abstand der Suchbegriff „Kündigung“ am häufigsten eingegeben.

Doris Graser-Kern: „Viele ArbeitnehmerInnen holen sich aus dem Internet erste Informationen. Eine umfassende persönliche Beratung, die genau auf die individuelle Situation abstellt, können die besten Online-Tools aber nicht ersetzen. Deshalb ist und bleibt diese persönliche, vertrauliche Beratung das wichtigste Service-Angebot.“ 

B. Interventionen im Jahr 2016:

  • 4.256 Interventionen mit einem Streitwert von insgesamt 2,7 Millionen Euro.

2016 stieg die Zahl der Interventionen im Vergleich zum Vorjahr um rund 12 Prozent.  

C. Klagen im Jahr 2016:

  • 339 (2015: 281) Klagen im Arbeitsrecht mit einem Streitwert von insgesamt 2,1 Millionen Euro

„Viele Beschäftigte im aufrechten Arbeitsverhältnis sind ängstlich und zögern, wenn es darum geht, ihre Rechte durchzusetzen. Sie verzichten oft aus Angst um ihren Arbeitsplatz auf rechtliche Schritte und auf viel Geld, das ihnen zusteht“, sagt Doris Graser-Kern. „Aus diesem Grund betreffen 95 Prozent aller arbeitsrechtlichen Interventionen jene Fälle, in denen das Arbeitsverhältnis bereits beendet wurde.“

 

D. Branchen und arbeitsrechtliche Probleme

 

In welcher Branche gibt es die meisten arbeitsrechtlichen Probleme?
1. Bau- und Baunebengewerbe
2. Hotel- und Gastronomie
3. Metall
4. Handel
5. Güterbeförderung

 

2. Sozialrecht

Die Sozialrechts-ExpertInnen (Pensionen, Invalidität) führten im Jahr 2016

  • 8.759 Beratungen
  • 575 Klagen im Sozialrecht

durch.

 

3. Insolvenzen: Hilfe, wenn die Firma kracht

Im Bereich des Insolvenzrechts wurden 2016 insgesamt für 692 ArbeitnehmerInnen offene Forderungen in der Höhe von 6,8 Millionen Euro eingereicht.   
 

3. Rechtsschutz für ArbeitnehmerInnen aus dem Ausland

 

Die Rechtsschutzstatistik des ÖGB und seiner Gewerkschaften spiegelt zu einem großen Maß die Situation auf dem burgenländischen Arbeitsmarkt wider. Es gibt Branchen, wo sehr viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem benachbarten Ausland vertreten sind und genau in diesen Branchen wird auch ein erhöhter Rechtsschutzbedarf verzeichnet.

Die Statistik zeigt eine Steigerung an Interventionen, aber auch an Klagen einerseits  bei der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, die auch die Beschäftigten im Tourismus betreut. Andererseits  auffällig sind die Zahlen bei der Gewerkschaft Bau-Holz, die für die Arbeitnehmer im Baugewerbe um 27 Klagen mehr eingebracht hat als im Vorjahr.

„Diese Zahlen zeigen ganz klar, dass ausländische ArbeitnehmerInnen ihre Rechte einfordern, wenn sie diese kennen. Und damit erreichen wir unser Ziel, nämlich Lohn- und Sozialdumping zu verhindern“, erklärt ÖGB-Landessekretär Gerhard Michalitsch.

Insolvenzen

Laut Statistik haben sich die Summen bei den Insolvenzen mehr als verdoppelt.

„Das Jahr 2016 könnte als das Jahr der „schmutzigen Konkurse“ bezeichnet werden. Wir bemerken im Zuge von Insolvenzen immer öfter, dass viele dieser Fälle nicht geschehen wären, würden nicht grobe Managementfehler gemacht werden“, kritisiert Gerhard Michalitsch.

 

AK/ÖGB-Forderungen an Politik und Wirtschaft

Viele Probleme der burgenländischen ArbeitnehmerInnen am Arbeitsmarkt und im Beruf können durch politische Maßnahmen bekämpft werden. AK und ÖGB fordern daher:

  • Immer mehr Unternehmer behandeln ihre Beschäftigten schlecht und unfair – das zeigen viele Rechtsschutz-Fälle aus dem Jahr 2016. AK und ÖGB fordern daher die Wirtschaft auf, ihrer moralischen Verpflichtung nachzukommen und für einen respektvollen Umgang mit den ArbeitnehmerInnen am Arbeitsplatz zu sorgen.
  • Menschen, denen oft jahrelang Lohn vorenthalten wird, können ältere Ansprüche nicht mehr einfordern, weil viele Regelungen sehr kurze Verfallsfristen von oft nur wenigen Monaten für die Geltendmachung der Ansprüche vorsehen. AK und ÖGB fordern daher eine Abschaffung der Verfallsfristen von weniger als drei Jahren.
  • Die Bundesregierung muss auf EU-Ebene aktiv werden, damit der Zugang zum Arbeitsmarkt in einer Grenzregion wie dem Burgenland wieder geregelt erfolgt. Wir brauchen eine Rückkehr zu den Regelungen während der Übergangsfristen (2004-2011) vor der völligen Arbeitsmarktöffnung.
  • Genauere Kontrollen und eine bessere Vernetzung der beteiligten Behörden durch ein Kompetenzzentrum im Burgenland im Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping. Die Zahl der Stellen bei der Finanzpolizei muss verdoppelt werden, anstatt den Personalstand zu reduzieren.


Rechtsschutzbilanz 2000-2016

AK-Präsident Alfred Schreiner ist seit dem Jahr 2000 Präsident der Arbeiterkammer Burgenland, 2017 wird er in Pension gehen. So sieht die AK/ÖGB-Rechtsschutzbilanz für die vergangenen 16 Jahre aus:

  • Allein im Rechtsschutzbereich (Arbeits- und Sozialrecht, Insolvenz) wurden 930.000 Beratungen durchgeführt – in dieser Zahl sind die vielen Beratungen in den anderen Service-Bereichen (z.B. KonsumentInnenberatung, Lohnsteuerberatung, PendlerInnen, Förderungen etc.) nicht enthalten.
  • In diesen 16 Jahren führten die ExpertInnen für burgenländische ArbeitnehmerInnen 63.000 Interventionen mit einem Gesamtstreitwert von 63,13 Millionen Euro durch.
  • Rund 6.000 Klagen mit einem Gesamtstreitwert von 31,2 Millionen Euro wurden bei Gericht eingebracht und abgeschlossen.
  • AK und ÖGB betreuten in diesem Zeitraum rund 17.000 Beschäftigte, deren Unternehmen  Pleite ging. Im Insolvenzverfahren wurden 123,1 Millionen Euro für Insolvenz-Opfer eingebracht.

Insgesamt wurden von 2000 bis 2016 durch den AK/ÖGB-Rechtsschutz für burgenländische ArbeitnehmerInnen rund 220 Millionen Euro erstritten!

      Facebook-Funktion aktivieren

      Drucken
      Zu Merkzettel hinzufügen
      TeilenZu Merkzettel hinzufügen

      Verwandte Links

      Zum Seitenanfang
      Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
      Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
      OK