Fuß wird eingegipst © Georgerudy, stock.adobe.com
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Arbeitsunfall überlebt, aber vom Chef geprellt

Auf Krücken und mit Gipsfuss humpelte ein Montagehelfer zur Erstberatung. Denn sein ehemaliger Chef prellte den 23-Jährigen nach einem fast tödlichen Stromschlag und trotz verheerenden Spätfolgen nicht nur um knapp 1.300 Euro, sondern plante auch ihm die zerstörte und fehlende Arbeitskleidung in Rechnung zu stellen. Mit Hilfe der AK kam er zu seinem Recht. 

Es ging ganz schnell. Ein kleiner Fehler eines Kollegen veränderte das Leben eines heute 23-Jährigen für immer. Mehrere tausend Volt durchströmten seinen Körper.  

Was ist passiert? Der Montagehelfer wollte gerade ein Betonelement im Zuge der Arbeiten auf der Pyhrnautobahn abladen. Er stand auf einem Sattelanhänger und schloss das Element am Greifarm eines Baggers an. Gemeinsam mit seinem Kollegen versuchte er das rund vier Meter lange, schwebende Element während des Abladens in Waage zu halten. Beim Absenken des Betonelements muss der Baggerfahrer mit dem Baggerarm zu nahe an die Stromleitung in rund acht Meter Höhe geraten sein - dadurch kam es zu einem Stromüberschlag. 

Überlebenskampf 

Tausende Volt durchströmten seinen Körper. Er erlitt Verbrennungen dritten Grades. Im Krankenhaus kämpften die Ärzte um das Leben des jungen Mannes. Mit Erfolg. 

Spätfolgen sind trotz allem geblieben. Noch heute muss der 23-Jährige alle drei Wochen ins Krankenhaus. Dort wird der Verband gewechselt und die abgestorbene Haut entfernt.  

Doch als wären die Sorgen um seine Gesundheit nicht genug, nahm es der Arbeitskräfteüberlasser, bei dem der Montagehelfer beschäftigt war, beim Geld nicht so genau.  

Mit einem Verdacht wandte sich der Nordburgenländer an die AK. Dort war schnell klar: Die Entgeltfortzahlungen wurden nicht korrekt ausbezahlt. Dazu fehlte die restliche Urlaubsersatzleistung. Insgesamt unterschlug der Arbeitgeber dem schwer verletzten Dienstnehmer knapp 1.300 Euro (netto). 

Arbeitskleidung verrechnet 

Im Zuge der Intervention drohte der Dienstgeber die fehlende bzw. zerstörte Arbeitskleidung in Rechnung zu stellen - 80 Euro gedachte er den ohnehin schon schwer Verletzten abzuziehen. „Sowohl Schuhe als auch Jacke wiesen mehrere Brandlöcher auf. Dazu wurde die Kleidung im Krankenhaus aufgeschnitten und entsorgt. Damit war klar: die Rückgabe der Arbeitskleidung war nicht mehr möglich. Rechtlich ist die Verrechnung der Arbeitskleidung ohne Verschulden des Dienstnehmers bei deren Untergang nicht zulässig ist“, erklärt AK-Jurist Mag. Heinzi-Erik Hobisch unter Kopfschütteln.  

Mit einem Brief des AK-Experten war der Fall schnell erledigt. Die Firma gab klein bei und erklärte sich bereit zu zahlen - ohne Abzug von 80 Euro für die zerstörte Arbeitskleidung. Letztlich wurde dem Montagehelfer dank dem Engagement der Arbeiterkammer knapp 1.300 Euro netto überwiesen.  

Arbeit verdient mehr Respekt 

„Dieser Fall ist der beste Beweis, das es an Anstand und Respekt in der Arbeitswelt fehlt. Da erleidet ein Arbeitnehmer unverschuldet einen schweren Arbeitsunfall, kämpft um sein Leben und der Arbeitgeber enthält ihm daraufhin auch noch Geld vor und schickt sich an, ihm die zerstörte Arbeitskleidung in Rechnung zu stellen. Ein mehr als verwerfliches Verhalten des Dienstgebers. Leider ist das nur ein Fall von vielen. Immer öfter suchen Arbeitnehmer mit derartigen Problemen bei uns Rat und Hilfe. Alles Fälle, die beweisen, dass Anstand und Respekt in der Arbeitswelt abhanden gekommen sind. Daher wieder mein klarer Appell: Arbeit verdient mehr Respekt“, fordert AK-Präsident Gerhard Michalitsch und erinnert an den Arbeitnehmerschutz: „Der Arbeitnehmerschutz spielt eine wichtige Rolle und darf nicht auf der Strecke bleiben.“

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