22.9.2017
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AK-Studie: Wiedereinstieg in den Beruf

Das Wiedereinstiegsmonitoring der AK zeigt: Durch den Ausbau der Kinderbetreuung und Reformen beim Kinderbetreuungsgeld schaffen Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf deutlich schneller. Die Väterbeteiligung ist gestiegen. Die Elternkarenz bringt allerdings nach wie vor beträchtliche längerfristige Einkommensverluste für Frauen, Männer haben dagegen keine Nachteile.

AK-Präsident Gerhard Michalitsch: „Das Wiedereinstiegsmonitoring wurde im Auftrag der Arbeiterkammer zum dritten Mal von L&R Sozialforschung erstellt. Dabei handelt es sich um eine Analyse von Kinderkarenzen von Frauen und Männern und die längerfristigen Auswirkungen auf ihre Beschäftigungs- und Einkommenssituation. Erfasst sind österreichweit alle Personen, die zwischen 2006 und 2014 Kinderbetreuungsgeld bezogen haben. Im Burgenland waren das rund 22.000 Männer und Frauen.“

Das Burgenland liegt über weite Teile im Österreichschnitt und unterscheidet sich nur in wenigen Punkten von Gesamtösterreich. Mit Blick auf die Vorgängerstudie haben sich zwei Trends verstärkt fortgesetzt: Einerseits die Entwicklung in Richtung früherer Wiedereinstieg bei Frauen und andererseits die stärkerer Väterbeteiligung.

Die Dauer der Berufsunterbrechung bei Frauen geht zurück

Gut in das Erwerbsleben integrierte Frauen mit Geburten 2006, blieben durchschnittlich noch 731 Tage nach der Geburt zuhause. 2012 hat sich diese Dauer auf 609 Tage verkürzt. Damit kehren Frauen im Burgenland nach einer Kinderauszeit um 4 Monate früher zurück in den Beruf.

Als das Kinderbetreuungsgeld 2002 eingeführt wurde, gab es dieses nur als Langzeitmodell mit 30 Monaten plus 6 Monate für den zweiten Partner. Der Kündigungsschutz der arbeitsrechtlichen Karenz endet jedoch mit dem zweiten Geburtstag des Kindes und lange Berufsunterbrechungen schmälern die Wiedereinstiegschancen. Mit der Einführung kürzerer Modelle im Jahr 2008 geht die Nutzung der Langzeitvariante kontinuierlich zurück. Entschieden sich überwiegend beschäftigte Frauen 2008 noch zu 59% für das Modell 30+6, so waren es 2014 nur noch 28%. Die beliebtesten Modelle bei den überwiegend beschäftigten Frauen waren 2014 das Modell 20+4 mit 31% sowie das Einkommensabhängige Kindergeld, das ebenfalls von 31% der Frauen gewählt wurde. Die Veränderung schlägt sich dann auch bei der Wiedereinstiegsquote zum 2. Geburtstag des Kindes nieder. Frauen mit Geburt 2006 waren im Burgenland mit Ende der arbeitsrechtlichen Karenz zu 51% wieder erwerbstätig. Bei den Frauen mit Geburt 2012 waren es bereits 62%, die zum 2. Geburtstag des Kindes wieder ins Berufsleben eingestiegen waren. Das Burgenland liegt hier über dem Österreichwert von 60%.

Bei Frauen, die vor der Geburt nicht oder sehr schlecht ins Erwerbsleben integriert waren, ist die Langvariante 30+6 mit 54% nach wie vor das mit Abstand am häufigsten genutzte Modell beim Kinderbetreuungsgeld. Die Wiedereinstiegsquote zum zweiten Geburtstag des Kindes lag bei diesen Frauen mit Geburt 2012 daher bei nur 33%.

Trotz dieser großen Unterschiede zeigt sich ganz klar, dass die Kurzmodelle dazu geführt haben, die Berufsunterbrechungen von Frauen zu verkürzen. Weitere wichtige Aspekte für eine frühere Rückkehr in das Erwerbsleben sind die stärkere partnerschaftliche Teilung ebenso wie die Investitionen in die Kinderbetreuung.

Die Einführung des Kinderbetreuungsgeldkontos mit März 2017 bietet durch die flexiblere Inanspruchnahme noch bessere Rückkehrmöglichkeiten. Zusätzlich wurden negative Anreize für längere Unterbrechungen abgeschafft. Die Wirkungen der aktuellen Reform sind in den vorliegenden Zahlen selbstverständlich noch nicht enthalten.

Steigerung bei der Väterbeteiligung

Immer mehr Männer beziehen Kinderbetreuungsgeld: Bei den gut erwerbsintegrierten Männern ist die Zahl deutlich von 89 Beziehern 2006 auf 180 im Jahr 2014 gestiegen. Dennoch beläuft sich der Männeranteil unter den überwiegend Beschäftigten, die Kinderauszeit beanspruchen, auf nur 12%. Österreichweit sind es 18%.

 Gabi Tremmel-Yakali: „Bei den Zahlen gibt es mit Sicherheit Luft nach oben. Dennoch beziehen auch im Burgenland immer mehr Väter Kinderbetreuungsgeld. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass sich die Dauer der Unterbrechungen bei den Vätern verkürzen. Die kürzere Bezugsdauer ist auf die Verkürzung der Mindestbezugsdauer auf 2 Monate mit der Reform des KBG 2010 zurückzuführen. Viele Männer orientieren sich jeweils an der geringstmöglichen Zahl an Monaten. Hier braucht es positive Anreize für eine stärker partnerschaftliche Teilung, wie etwa den 2017 eingeführten Partnerschaftsbonus.“

Väterkarenz erleichtert Wiedereinstieg von Frauen

Eine Teilung der Karenz mit ihrem Partner erleichtert Frauen den Wiedereinstieg. Von jenen Frauen, die zuvor überwiegend beschäftigt waren und 2012 eine Geburt hatten, sind 75% bis zum 2. Geburtstag des Kindes wieder erwerbstätig, wenn der Partner auch Karenz in Anspruch genommen hat.

Nimmt der Partner zwar Kinderbetreuungsgeld in Anspruch, unterbricht die Erwerbstätigkeit dabei aber nicht, sinkt die Wiedereinstiegsquote der Frauen auf 64%. Inwiefern ein Teil dieser Männer Arbeitszeit bei Bezug des Kinderbetreuungsgeldes reduziert, kann aufgrund der fehlenden Erfassung von Teilzeitdaten beim Hauptverband im Wiedereinstiegsmonitoring nicht beobachtet werden.

Am niedrigsten sind die Wiedereinstiegsquoten bei Frauen, deren Partner sich nicht am KBG-Bezug beteiligen, und zwar 61%. Diese Frauen liegen im Burgenland fast gleichauf mit den Alleinerzieherinnen. Hier liegt die Wiedereinstiegsquote zum zweiten Geburtstag des Kindes bei 60%. Damit steigen die burgenländischen Alleinerzieherinnen deutlich öfter früher wieder ins Erwerbsleben ein als der Österreichschnitt. Österreichweit haben die Alleinerzieherinnen mit einer Rückkehrquote von 53% nach wie vor die größten Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Beruf.

Gabi Tremmel-Yakali: „Neben dem wichtigen Faktor der partnerschaftlichen Teilung, zeigt sich aber nicht zuletzt bei den Alleinerzieherinnen die nach wie vor große Bedeutung des Ausbaus bei der Kinderbetreuung. Qualitativ hochwertige und gut ausgebaute Betreuungseinrichtungen sind eine wesentliche Grundlage dafür, dass Frauen wieder ins Erwerbsleben einsteigen können.“

Beschäftigungsentwicklung nach der Kinderauszeit

Österreichweit müssen Frauen wie Männer nach einer Kinderauszeit Einbußen im Ausmaß ihrer Erwerbsintegration einstecken. Wobei es im Burgenland Frauen gelingt langfristig gesehen etwas besser an ihr zuvor bestehendes Erwerbsausmaß anzuknüpfen. Gemessen wird bei der Beschäftigungsentwicklung der Anteil von Tagen einer Beschäftigung im Beobachtungszeitraum. Diese Tage wurden wiederum in vier Niveaus geteilt. 71 % der Burgenländerinnen, die 2011 ihre Kinderauszeit begonnen haben, erreichen im 4. Jahr ein hohes Niveau an Erwerbsintegration. Im Österreichschnitt sind es nur 65 % der Frauen, die dieses Niveau erreichen. Burgenländische Männer hingegen erreichen im vierten Jahr zu fast 90% ein hohes Niveau an Erwerbsintegration.

In den Einkommen findet die Erwerbsintegration ebenfalls Niederschlag. Wobei Frauen nach der Kinderauszeit im Vergleich zur Situation zuvor mit sichtbar niedrigeren Monatslöhnen zurechtkommen müssen als Männer. Burgenländerinnen mit Kinderauszeit 2011 erzielten vor ihrer Kinderauszeit ein Medianeinkommen (brutto) von 2.003 Euro. Im vierten Jahr nach Beginn der Kinderauszeit liegt das Einkommen bei 1.464 Euro. Burgenländische Männer aus der gleichen Jahreskohorte erzielten vor der Auszeit ein Einkommen von 2.610 Euro. Im vierten Jahr des Beobachtungszeitraums liegt das Einkommen der Männer bei 2.726 Euro.

Gabi Tremmel-Yakali: „Frauen müssen durch Karenz und Teilzeit nach wie vor deutliche Einkommensnachteile in Kauf nehmen. Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen bleiben eine große Herausforderung.“

AK-Präsident Michalitsch: „Ausbau der Kinderbetreuung finanziell absichern und Väterbeteiligung stärken“

Die Reformen beim Kinderbetreuungsgeld mit der stärkeren Unterstützung von flexiblen und kurzen Varianten der Kinderauszeit erleichtern die Rückkehr in den Beruf. Aber es bleibt noch viel zu tun.  

Forderungen der Arbeiterkammer 

  • Rechtsanspruch auf den bezahlten Papamonat: Die Einführung eines bezahlten Papamonats war ein großer Schritt. Damit der Papamonat auch genutzt werden kann und nicht vom Gutdünken des Unternehmens abhängig ist, braucht es einen arbeitsrechtlichen Rechtsanspruch samt Kündigungsschutz. Außerdem soll der Familienzeitbonus in Höhe von 700 Euro für den Papamonat nicht mehr vom Kinderbetreuungsgeld abgezogen werden.  

AK Präsident Michalitsch: „Wenn sich ein Vater von Beginn an mehr in die Kindererziehung einbringen möchte, dann darf dieser Wunsch nach einer guten Beziehung und frühen Bindung zum Kind nicht von der Willkür eines Arbeitgebers abhängig sein. Hier brauchen wir die stärkere Förderung der partnerschaftlichen Teilung.  

  • Der Ausbau der Kinderbetreuung hat sich positiv auf den Wiedereinstieg ausgewirkt. Allerdings müssen die Anstrengungen fortgesetzt werden. Die Anstoßfinanzierung  wurde für 2018 verlängert. Notwendig sind jedoch Investitionen über einen längeren Zeitraum. Die AK fordert daher, dass jährlich 100 Mio. Euro durch den Bund bereitgestellt werden, um den Ausbau der Plätze für unter 3-Jährige und eine Verbesserung der Öffnungszeiten zu unterstützen.

AK Präsident Michalitsch: „Das Burgenland ist bei der Kinderbetreuung bereits sehr gut aufgestellt. Sowohl seitens des Landes als auch der Gemeinden wurde in den letzten Jahren viel Geld in die Hand genommen um jedem Kind einen guten Kinderbildungs- und Betreuungsplatz zur Verfügung stellen zu können. Deshalb ist das Burgenland bei der Betreuung der über 3-Jährigen auch Österreichsieger. Und auch bei den unter 3-Jährigen liegt das Burgenland bei der Betreuungsquote auf Platz 2 hinter Wien. Genau hier gilt es in Zukunft noch weiter zu investieren. Wenn die arbeitsrechtliche Karenz zum zweiten Geburtstag des Kindes endet, muss für jedes Kind ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen. Im Burgenland wurde hier bereits viel investiert. Das hilft beim Wiedereinstieg und ist gut für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier heißt es dranzubleiben. Dazu braucht es Mittel vom Bund. Das wird ein Knackpunkt für die positive Entwicklung der Zukunft bleiben. Vor allem wenn weiter in die Qualität der Angebote investiert werden soll.“ 

  • Betriebliche Unterstützung: Damit der Wiedereinstieg gelingt, braucht es aufgeschlossene Betriebe, die familienfreundliche Rahmenbedingungen für Eltern anbieten. Daher braucht es mehr strukturelle Unterstützung beim Wiedereinstieg im Betrieb, z.B. in Form eines Karenzmanagements. Außerdem braucht es auch in kleineren Betrieben einen Rechtsanspruch auf Elternteilzeit und Änderung der Lage der Arbeitszeit. Denn die Erfahrungen aus der AK-Beratung und die Ergebnisse des Wiedereinstiegsmonitorings zeigen, dass in Kleinbetrieben der Wiedereinstieg schwieriger ist. Ob Väterkarenz in Anspruch genommen wird, hängt zudem auch damit zusammen, wie aufgeschlossen Unternehmen dem gegenüberstehen.

AK-Präsident Michalitsch: „Die Betriebe müssen in die Verantwortung genommen werden. Was wir brauchen ist vor allem eine Änderung in der Kultur. Sowohl in der Gesellschaft als auch in den Firmen. Die Politik kann Väterbeteiligung stärker fördern. Aber das Denken, dass sich Männer wie Frauen partnerschaftlich um die Kinder kümmern, das muss erst in den Betrieben ankommen. Männer und Frauen muss die Rückkehr in den Beruf erleichtert werden. Sie müssen an ihre Karrieren anschließen können.“

 

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