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PK Konsumentenschutz © AK Burgenland, AK Burgenland

Die Krise auf dem Rücken der Konsumenten

Flugzeuge bleiben auf dem Boden, Reisen gecancelt sowie Konzerte und Sportveranstaltungen verschoben oder ganz abgesagt: Die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen haben natürlich auch immense Auswirkungen auf Konsumenten. Bitter für die beteiligten Unternehmer. Doch manche zeigen sich erfinderisch: Die Zeche sollen in vielen Fällen die Konsumenten bezahlen. „Konsumenten sollen und müssen Vorsicht walten lassen. Nicht alle Behauptungen entsprechen auch den rechtlichen Vorgaben“, informiert Mag. Christian Koisser, Leiter AK-Konsumentenschutz. „Es lohnt sich, sich auf unserer Website zu informieren und von unseren Experten beraten zu lassen“, rät AK-Präsident Gerhard Michalitsch.
Durch die Covid-19-Pandemie ist 2020 ein schwieriges Jahr – für den Tourismus, für Reisebüros und Veranstalter - aber auch ein besonders schwieriges für die Konsumenten sowie Urlauber. Entsprechend groß ist die Verunsicherung und ebenso lang die Liste der Fragen. Licht ins Dunkel bringen da die Konsumentenschützer der AK Burgenland.
Allein vom Lockdown Mitte März bis Ende Juni haben die AK-Konsumentenschützer 2.848 Beratungen durchgeführt, davon 1.724 mal zu „Corona-Themen“. Im Vergleich dazu zählen die Experten mit den 2.848 Beratungen fast doppelt so viele Beratungen wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 
„Es gab natürlich in vielen Bereichen Probleme und Unsicherheiten, doch einige Themen kehrten immer wieder, vieles wird uns leider noch lange begleiten. Vor allem weil manche schwarzen Schafe versuchen, die Kosten der Krise auf die Konsumenten abzuwälzen. Sie scheuen weder Tricks noch Täuschung, nutzen die Unwissenheit der Konsumenten aus und verleiten zu freiwilligen Zugeständnissen, die sich nachteilig auf die Kunden auswirken“, schildert Mag. Christian Koisser, Leiter AK-Konsumentenschutz.

(Kostenloses) Reisestorno?
Besonders häufig waren Anfragen von Konsumenten, die eine Reise gebucht hatten und nun ihre rechtliche Situation abklären wollten. Da galt es abzuwägen, ob sie frühzeitig stornieren und eine noch erträglich hohe Stornogebühr zahlen, oder ob sie zuwarten und - gegebenenfalls - möglicherweise kostenfrei zurücktreten sollten. „Hier können wir nur über die rechtliche Lage aufklären. Die Entscheidung abnehmen, können wir den Mitgliedern aber nicht“, informiert Koisser. 
Doch auch bei Storno waren die Kunden nicht vor bösen Überraschungen gefeit: Auf der Stornorechnung eines Kunden fand sich der Posten einer mitgebuchten Tagesfahrt, wodurch er um 200 Euro mehr bezahlen sollte. Erst die Klarstellung durch die AK, dass auch der Preis für die Tagesfahrt Teil des Gesamtpreises sei und dass daher nur ein Bruchteil der Summe anfallen dürfte, half. 

Abgesagte Flüge und Reisen beschäftigen die Experten ebenso häufig. Immer wieder versuchten Fluglinien oder Reiseveranstalter Konsumenten mit Gutscheinen abzuspeisen. Dabei haben Konsumenten eine Recht auf Geld-zurück. Die berechtigten Rückerstattungen erfolgten sehr stockend und erst langsam scheint sich eine Entspannung aus Sicht der Konsumenten anzubahnen. Das Problem: Leider sind auch schon erste Insolvenzen von Flugunternehmen zu beklagen, was bedeutet, dass die Konsumenten wiederum viel Geld verlieren.

Risiko Vorauszahlung
Kompliziert wurde es im Sport- und Kulturveranstaltungsbereich. Hier hat der Gesetzgeber mit der Gutscheinlösung für Verwirrung gesorgt. Teilweise gibt es Geld, teilweise Gutscheine und erst ab 1. Jänner 2023 ist, falls die Gutscheine nicht eingelöst werden, eine Rückerstattung möglich.
„Alle diese Fälle zeigen, wie bei Vorauszahlung Konsumenten jegliches Risiko tragen. Nicht nur das Insolvenzrisiko, welches im Hinblick auf vereinzelte Flugunternehmen bereits schlagend wird, offensichtlich auch jenes einer kurzfristigen Gesetzesänderung, welche Konsumenten unfreiwillig zu zinslosen Krediten an Unternehmen verpflichtet“, kritisiert der AK-Experte.

Auch die Fitnessstudio-Unternehmer wälzten das Risiko auf die Kunden ab. Obwohl Fitnesscenter geschlossen waren, kassierten sie zwischen März und Ende Mai Geld. „Dieses Vorgehen ist rechtswidrig, das Geld muss zurückgezahlt werden“, stellt Koisser klar und fügt an: „Prinzipiell kann ich nur an die Konsumenten appellieren nicht zu gutgläubig zu sein. Lassen sie sich nicht abspeisen, denn nicht jede Behauptung entspricht auch den rechtlichen Vorgaben. Fragen sie im Zweifelsfall bei uns nach“, empfiehlt Koisser.

Klare Erlässe und Garantien
Diesen Aufruf kann AK-Präsident Gerhard Michalitsch nur unterstützen. Dazu plädiert er für klare Erlässe und eine Garantie für verordnete Gutscheine. „Ich forderte daher von der Bundesregierung maximale Klarheit bei ihren Erlässen. Denn unklare Situationen erzeugen Unsicherheit, die sich manche schwarze Schafe unter den Reise- und Eventveranstaltern zunutze machen. Dazu ist es unfair, dass Konsumenten das volle Risiko bei Gutscheinlösungen als Ersatz für ausgefallene Reisen und Veranstaltungen tragen. Gerade bei den verordneten Gutscheinen im Veranstaltungsbereich. Wird das Unternehmen in der Zwischenzeit insolvent, schauen sie durch die Finger. Hier braucht es eine Garantie, dass der Staat im Falle einer Insolvenz einspringt.“
Da die Krise noch lange nicht vorbei ist, verlangt Michalitsch Schutz von Arbeitsplätzen in den von der Pandemie betroffenen Branchen. „Das Versprechen ‘Koste es was es wolle‘ muss gerade bei der Rettung von Arbeitsplätzen in bestimmten Branchen, allen voran Gastronomie, Tourismus und Handel eingehalten werden!“

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Bianca Werfring
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