Kranker Angestellter sitzt mit Tee und Taschentücher im Büro © Romario Ien, stock.adobe.com
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Grippewelle: AK informiert über Rechte und Pflichten im Krankenheitsfall

Sofort den Arbeitgeber verständigen, zum Arzt gehen und die Krankenstandsbestätigung abgeben: Diese Pflichten haben erkrankte Arbeitnehmer. Aber sie haben auch das Recht auf Ruhe. Trotzdem schleppen sich viele Beschäftigte krank in die Arbeit – aus Angst um ihren Arbeitsplatz. „Arbeitnehmer haben das Recht auf Ruhe. Krank zur Arbeit zu gehen schadet dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber“,  betont AK-Präsident Gerhard Michalitsch. Ein großer Irrtum: ein Kündigungsschutz im Krankenstand. Eine Kündigung während des Krankenstandes ist möglich. 
Im Büro, im Zug, in der Schule - überall wird gehustet und geniest. Alle Jahre wieder mehren sich nach Weihnachten und dem Jahreswechsel die Krankenstände. Die Grippewelle scheint das Land erreicht zu haben. Die Zahl der Krankenstände aufgrund von Grippe und grippaler Infekte steigt von Woche zu Woche. Viel zu oft gehen kranke Arbeitnehmer aus Angst um ihren Job zur Arbeit.
AK-Präsident Gerhard Michalitsch: „Wer viel leistet, muss sich auch in Ruhe auskurieren können. Gehen Arbeitnehmer krank zur Arbeit schadet das allen: ihnen selbst und auch den Unternehmen.“  

Krank melden und krankschreiben lassen
Daher gilt: bei einer Grippe besser das Bett hüten. Doch bei einem Krankenstand gibt es gewisse Regeln einzuhalten. „Wenn ein Arbeitnehmer krank ist, gilt es unaufgefordert und unverzüglich den Dienstgeber davon in Kenntnis zu setzen. Am besten noch vor Arbeitsbeginn via Telefon, aber an der richtigen Stelle. Der Portier reicht nicht. Danach bleibt der Weg zum Arzt nicht aus, um sich krankschreiben zu lassen“, rät AK-Arbeitsrechtsexperte Mag. Helmut Steiger.  

Schon für einen Tag kann der Arbeitgeber eine Krankenstandsbestätigung verlangen. Wichtig: in der Krankenstandsbestätigung muss die Ursache für die Arbeitsunfähigkeit angeführt sein, aber nicht die Diagnose. Am besten die Krankenstandsbestätigung gleich nach dem Arztbesuch mailen oder faxen. 

„Kommt man der Melde- und Nachweispflicht nicht nach, verlieren Arbeitnehmer für die Dauer der Säumnis den Anspruch auf Entgelt. Das heißt, der Arbeitgeber muss den Lohn bzw. das Entgelt nicht bezahlen, solange der Dienstnehmer sich nicht krank gemeldet und/oder die nötigen Krankmeldungen gebracht hat“, erklärt Steiger.

Das Verhalten im Krankenstand hängt von der jeweiligen Diagnose ab. Steiger: „Im Krankenstand dürfen Arbeitnehmer nichts tun, was das Gesund werden verzögern könnte. Im Fall einer Grippe oder eines grippalen Infekts sollte man sich nicht im Freien aufhalten bzw. muss dies auf das Allernötigste beschränken. Ist jemand wegen Depressionen krank geschrieben, kann Spazieren gehen ein Teil der Behandlung sein. Was zu tun ist, entscheidet im Zweifelsfall der Arzt.“

Kein Kündigungsschutz im Krankenstand
Auch wenn man alles richtig macht, ist eine Kündigung im Krankenstand von Gesetzeswegen möglich. Einen Kündigungsschutz im Krankenstand gibt es aber nicht, daher gehen auch viele Arbeitnehmer krank zur Arbeit. „Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass ein Arbeitnehmer im Krankenstand nicht gekündigt werden kann. Eine Kündigung, die Sie während eines Krankenstandes erhalten, ist arbeitsrechtlich zulässig. Das Arbeitsverhältnis endet hier ebenfalls mit Ablauf der gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Kündigungsfrist, gerechnet ab dem Zugang der Kündigung“, informiert Steiger.
Oft werden einvernehmliche Lösungen angeboten, hier ist Vorsicht geboten. „Bevor man etwas unterschreibt, sollte man sich lieber bei der Arbeiterkammer beraten lassen“, empfiehlt der AK-Jurist.

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Bianca Werfring
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