AK-Präsident Gerhard Michalitsch und Arbeitsklima-Projektleiter Dr. Reinhard Raml © Felder, AK Burgenland
AK-Präsident Gerhard Michalitsch und Arbeitsklima-Projektleiter Dr. Reinhard Raml © Felder, AK Burgenland

Wie (un)zufrieden sind die burgenländischen Arbeitnehmer in der Covid 19-Pandemie?

Die Krise macht den burgenländischen Beschäftigten zu schaffen. Die Arbeitsbelastungen sind stark gestiegen, der Stress hat zugenommen und immer mehr finden mit ihrem Einkommen kein Auskommen mehr. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Arbeitsklima-Index der AK Burgenland. „Die Pandemie erhöht den Druck auf die burgenländischen Arbeitnehmer zusätzlich. Es ist höchste Zeit gegenzusteuern und rasch die Situation der Arbeitnehmer zu verbessern“, kommentiert AK-Präsident Gerhard Michalitsch die Ergebnisse aus dem aktuellen Arbeitsklima-Index. 

Seit 13 Jahren liefert der vom IFES-Institut erhobene Arbeitsklima-Index genaue Daten über die Arbeitswelt und dient der Interessensvertretung der Arbeitnehmer als wichtiger Kompass. Doch die Kompassnadel bewegt sich in der Krise jedoch ins Negative. Denn die Krise hat ihre Spuren bei den burgenländischen Arbeitnehmern hinterlassen. „Die Gesamtsituation wird schwieriger – das zeigt sich auch in unserem Beratungsalltag“, betont AK-Präsident Gerhard Michalitsch.

Im Allgemeinen sinkt die Zufriedenheit der Arbeitnehmer. „In den vergangenen drei Jahren lag das Burgenland immer über dem Zufriedenheitsniveau von Gesamt-Österreich. Doch 2020 fällt er auf 108 Punkte und liegt damit genau beim gesamtösterreichischen Wert. Diese negative Entwicklung ist vor allem auf die Entwicklung der Teilindizes Arbeit und Betrieb zurückzuführen“, erläutert Arbeitsklima-Projektleiter Dr. Reinhard Raml. 

Am stärksten wird der Sinkflug des Arbeitsklima-Index von der Zunahme der psychischen Belastungen beeinflusst. Der Indikator für den Stress ist um 15 Prozent von 14 auf 29 Indexpunkte gestiegen. Weiters zeigt sich auch eine deutliche Zunahme der Isolation am Arbeitsplatz. „Beschäftigte, die im Homeoffice arbeiten, fühlen sich durch Zeitdruck und psychischen Stress, aber auch durch die Einsamkeit am Arbeitsplatz belastet. Weit mehr als diejenigen, die ihre Arbeit nicht von zuhause aus erledigen“, führt Raml aus.

„Die psychischen Belastungen für die burgenländischen Arbeitnehmer werden mehr. Schon seit Jahren. Der aktuelle Arbeitsklima-Index zeigt deutlich: Die Krise hat diese Situation noch verschärft. Da muss in allen Branchen gegengesteuert werden. Einerseits braucht es daher den Ausbau des psychotherapeutischen Angebots und andererseits mehr Einbindung des Arbeitsinspektorats innerhalb der Betriebe. Zusätzlich macht auch ein niederschwelliger Zugang zu Supervision am Arbeitsplatz Sinn“, fordert AK-Präsident Gerhard Michalitsch bessere Arbeitsbedingungen ein. 

Immer mehr zum Problem wurde in die Krise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gerade Frauen trifft es hier besonders hart. Auch Beschäftigte im Gesundheitswesen leiden massiv darunter. „Der Anteil der Befragten, die die Vereinbarkeit als (sehr) gut empfinden ist um 13 Prozentpunkte auf 78 Prozent zurückgegangen“, erläutert Raml. 

Systemrelevante Arbeitnehmer besonders unter Druck

Enormer Leidensdruck entstand während der Pandemie besonders bei Arbeitnehmern in den systemrelevanten Berufen. Vor allem Pflegeberufe und jene im Gesundheits- und Sozialbereich klagten über höheren Zeitdruck, psychischen Stress und körperliche Belastungen. „Arbeitnehmer in den systemrelevanten Berufen leisten tagtäglich Unmenschliches, der Druck für sie ist groß, daher – und es mag abgedroschen klingen- darf die Wertschätzung nicht nur aus Applaus bestehen. Derzeit ist es aber so. Leider! Waren im Vorjahr Corona-Prämien bis 3.000 Euro noch steuerfrei, sind sie es heuer nicht mehr. Angesichts der anhaltenden Krise und Gesundheitsgefährdung ist das ein Hohn für alle, die dieses Land am Laufen halten – egal ob das Handelsangestellte sind, oder Gesundheits- und Pflegepersonal, oder Kollegen, die einfach im Betrieb die Stellung halten. Sie alle haben sich eine steuerfreie Prämie verdient“, fordert Michalitsch. 

Dazu macht sich der AK-Präsident auch für die Verbesserung der Situation in den Gesundheits- und Pflegeberufen stark. „Hier bedarf es der Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, die Möglichkeit vielen Menschen den Einstieg in einen Pflegeberuf zu erleichtern indem man die Finanzierung der Ausbildungs- und Lebenserhaltungskosten regelt sowie bezahlte Praktika.“  

Arbeitslosigkeit und Einkommen

Geschwunden ist die Hoffnung auf eine positive wirtschaftliche Zukunft Österreichs. Sehr stark zugenommen hat unter den burgenländischen Befragten die Erfahrung mit Arbeitslosigkeit. 2019 gaben neun Prozent der Befragten an, in den vergangenen 12 Monaten irgendwann einmal arbeitslos gewesen zu sein – 2020 waren das 16 Prozent. Damit einher geht eine subjektive Skepsis bei der Arbeitsplatzsicherheit. „Die Krise trifft die Arbeitnehmer ganz unterschiedlich. Während es jenen, die von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen sind, schlechter geht, steigt die Zufriedenheit bei allen, die einen subjektiv gesehen sicheren Arbeitsplatz haben. Der Standort bestimmt eben auch in der Arbeitswelt ein bisschen den Standpunkt. Und Corona macht auch in der Arbeitswelt, was es fast überall tut – es polarisiert“, bringt es der AK-Präsident auf den Punkt.

Alarmierend sind auch die Zahlen rund um die Zufriedenheit beim Einkommen. Die Burgenländer kamen 2020 auch schlechter mit ihrem Einkommen aus: nur noch 39 Prozent (2019: 44 Prozent) sagen, sie können gut davon leben bzw. es reicht vollkommen aus. Für 55 Prozent reicht es gerade, und weitere 5 Prozent geben an, es reicht nicht aus. Michalitsch: „Der Arbeitsklima-Index zeigt, dass viele Arbeitnehmer froh sind, überhaupt noch Arbeit und ein Einkommen zu haben.“ 

Zum Arbeitsklima-Index 2020

Die Datenbasis 2020 bilden insgesamt 535 burgenländische Befragte (unselbstständig Beschäftigte und Arbeitslose) und über 5.000 Personen österreichweit. Aufgrund der Corona-Krise wurden im 2. Quartal 2020 nicht wie üblich persönliche Interviews, sondern ausschließlich Online-Interviews durchgeführt. Der aus der Änderung der Erhebungsmethode resultierende Unterschied (Methodeneffekt) wurde durch eine Korrekturgewichtung ausgeglichen. Diese Vorgehensweise ermöglicht die Vergleichbarkeit der Daten mit den Vorjahren.  

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Bianca Werfring, Kommunikation & Marketing der AK Burgenland, T: 0664/823 9449, E: bianca.werfring@akbgld.at