AK-Präsident Gerhard Michalitsch und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Hannelore Binder © Roman Felder, AK Burgenland
AK-Präsident Gerhard Michalitsch und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Hannelore Binder © Roman Felder, AK Burgenland

Equal Pay Day 2020: Beklatscht, aber schlecht bezahlt

Ab dem 23.Oktober arbeiten burgenländische Frauen – statistisch gesehen – gratis. Zu diesem Zeitpunkt haben Männer bereits jenes Einkommen erreicht, wofür Frauen bis Jahresende noch arbeiten müssen. Gerade die Covid 19-Krise hat die Situation für Frauen noch verschärft. Ob es die Kinderbetreuung war oder die Arbeit in einem der systemrelevanten Berufe. Das Urteil für die Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie lautet in Hinblick auf Gleichberechtigung und Fraueneinkommen über weite Strecken: nicht genügend. „Klatschen alleine reicht nicht. Da muss mehr kommen. Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern klafft nach wie vor weit auseinander. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ist noch immer Wunschdenken. Gerade deshalb wäre die Anhebung des Mindestlohns auf 1.700 Euro netto im Monat mehr als notwendig“, plädieren AK-Präsident Gerhard Michalitsch und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Hannelore Binder unisono.

Wer kümmert sich um die Kinder? Wer macht die Wäsche? Wer geht einkaufen? Haushalt und Kinderbetreuung sind weiterhin großteils Frauensache. Entsprechend trifft die Coronakrise Frauen doppelt hart. Einerseits in Sachen Kinderbetreuung und andererseits als treibende Kraft in den systemrelevanten Berufen. Dazu haben Frauen auch beim Einkommen das Nachsehen. Während burgenländische Männer durchschnittlich 52.054 Euro brutto pro Jahr verdienen, sind es bei Frauen gerade mal 42.143 Euro – ein sattes Minus von 19 Prozent. Damit arbeiten Frauen jedes Jahr 70 Tage „gratis“. „Diese Einkommensschere muss geschlossen werden. Frauen haben das Recht auf faire Einkommen“, fordert AK-Präsident Gerhard Michalitsch. 

Corona ist für viele Frauen zu einer weiteren Falle geworden. Allein das Übernehmen der Kinderbetreuung, wenn Kindergärten oder Schulen geschlossen sind, kostet Müttern durchschnittlich bis zu 4.440 Euro an Einkommen bis Ende 2020. „Die Arbeitszeitreduktionen aufgrund gestiegener Kinderbetreuungspflichten und damit einhergehende Einkommenseinbußen in diesem Jahr vermindern natürlich auch die Pension von Frauen. Die Kinderbetreuung während der Corona-Krise erhöht die Lebenseinkommenslücke für Österreichs erwerbstätige Mütter von Kindern unter 14 Jahren um insgesamt 1,3 Milliarden Euro“, rechnet Anna Hehenberger, Ökonomin vom Momentum Institut, vor. 

„Wir müssen darauf achten, dass Corona nicht zu einer Krise der Frauen wird“, mahnt ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Hannelore Binder. Denn gerade die Kinderbetreuung stellt viele Eltern und in erster Linie Mütter vor große Herausforderungen, daher machen sich die ÖGB Frauen für flexible und leistbare Kinderbetreuung, ein bundeseinheitliches Rahmengesetz, um einheitliche und qualitativ hochwertige Mindeststandards zu gewährleisten und den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag, stark.

Binder: „Derzeit wird ganz viel Verantwortung auf die Eltern abgewälzt. Eltern sind am Rande der Verzweiflung und wissen nicht, wie es mit der Kinderbetreuung weitergehen soll. Nachdem der Urlaub längst verbraucht ist, werden sie nun zu Bittstellern degradiert. Eltern stehen unter massivem Druck und sind auch noch vom Wohlwollen ihrer Arbeitgeber abhängig. Das muss sich ändern und dafür gibt es nur eine Antwort: Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf die Sonderbetreuungszeit, damit Kinderbetreuung für alle Eltern möglich ist! Zu dieser Forderung gibt es die neue Kampagne der ÖGB Frauen auf der Internetseite kinderbetreuung.oegb.at.“ 

1.700 Mindestlohn

Auch bei den systemrelevanten Berufen zeigt eine SORA-Studie Handlungsbedarf. In acht von elf Berufen arbeiten überwiegend Frauen. Von elf als „systemrelevant“ eingestuften Berufsgruppen haben ausgerechnet jene fünf Gruppen, in denen der Frauenanteil am höchsten ist, Einkommen unter dem österreichischen Durchschnitt. Sie verdienen im Schnitt weniger als 1.300 Euro netto im Monat.

„Diese Zahlen zeigen, dass der Equal Pay Day heuer noch mehr Aufmerksamkeit bedarf. Denn die gefeierten Beschäftigten in systemerhaltenden Berufen sind überwiegend Frauen. Aber genau diese systemwichtigen Berufe sind schlecht bezahlt. Das passt einfach nicht zusammen und ist ungerecht! Daher reicht klatschen alleine als Anerkennung nicht aus. Da braucht es ein gerechtes Einkommen. Zehn Euro netto pro Stunde muss uns Arbeit einfach wert sein – das sind 1.700 Euro netto im Monat! Davon profitieren vor allem unsere Töchter, unsere Schwestern, unsere Mütter – ein Leben lang, auch in der Pension“, appelliert der AK-Präsident.

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