Jemand drückt auf die Storno-Taste auf Computer-Tastatur © momius , stock.adobe.com
Storno-Taste auf Computer-Tastatur © momius , stock.adobe.com

Flug und Reise abgesagt: Geld zurück oder Gutschein?

Die Reisebranche gehört wohl zu den besonders schwer von der COVID-19-Pandemie betroffenen Bereichen. Massenhafte Absagen von Pauschalreisen und Flügen stellen viele Unternehmen vor schwer lösbare Probleme. Die meisten dieser Unternehmen nehmen das zum Anlass, um Konsumenten das Recht vorzuenthalten, für abgesagte Flüge und Reisen sämtliche Zahlungen zurückzuerhalten. Sie bieten ihren Kunden lediglich Gutscheine an. „Hier ist Vorsicht geboten. Bei einem eventuellen Konkurs schauen Konsumenten durch die Finger. Dazu könnte diese Vorgehensweise Schule machen und auch nach COVID-19 angewendet werden“, pocht AK-Konsumentenschützer Mag. Christian Koisser auf geltendes Recht.   

„Mein Flug wurde vom Luftfahrtunternehmen abgesagt. Jetzt habe ich die Nachricht bekommen, dass ich einen Gutschein erhalte. Für den Fall, dass ich mein Geld zurück haben will, wurde mir eine Telefonnummer genannt. Diese Nummer ist aber nicht erreichbar“, schilderte eine Burgenländerin der Konsumentenberatung der AK Burgenland ihr Problem. Und sie ist natürlich bei weitem kein Einzelfall, diese Erfahrung machen derzeit zahlreiche Kunden von Fluglinien und Reiseveranstaltern.

Dabei ist die Rechtslage klar: Der Anbieter kann die Leistung nicht erbringen und hat daher das im Voraus bezahlte Entgelt zurückzuerstatten. Doch in der derzeit schwierigen Situation kümmern sich viele Unternehmen nicht um die geltende Rechtslage. Sie versuchen, durch die Ausgabe von Gutscheinen die Zahlungen abzuwenden, um zahlungsfähig zu bleiben.

Dieses Vorgehen wird in einigen europäischen Staaten von politischer Seite sogar unterstützt. Obwohl sich die EU-Kommission dagegen ausgesprochen hat, haben manche Staaten (beispielsweise Niederlande, Frankreich, Belgien, Italien) gesetzliche Ausnahmen von der Rückerstattungspflicht eingeführt. Konsumenten müssen sich mit Gutscheinen abspeisen lassen, wobei sie dabei in manchen Staaten schlecht, in anderen noch schlechter gestellt werden. „Auch in Österreich wird ja mit der Gutschein-Lösung für Event-Veranstalter soeben die Tür dafür geöffnet, den Konsumenten den schwarzen Peter zuzuschieben“, betont AK-Konsumentenschützer Christian Koisser.

Nachvollziehbar ist, dass viele Unternehmen ohne Unterstützung wohl schwer auf die Beine kommen werden. Doch was bedeutet das für betroffene Konsumenten? „Viele von ihnen haben durch die derzeitige Krise ihren Job verloren und sind nun auf jeden Euro angewiesen, sie wissen nicht, ob und wann sie einen solchen Gutschein einlösen könnten. Auch wenn Konsumenten irgendwann zu den Erstattungen kommen sollten – was keineswegs sicher ist -, so wären sie dazu gezwungen worden, den Unternehmen einen zinsfreien Kredit zu gewähren“, erklärt Koisser.

„Es kann nicht die Aufgabe von Konsumenten sein, Unternehmen zu retten, nur, weil sie das Pech hatten, mit diesen Unternehmen einen Vertrag geschlossen und im Voraus bezahlt zu haben“, meint der Konsumentenschutzexperte und warnt: „Die Einführung solcher gesetzlichen Eingriffe zum Nachteil von Konsumenten stellt ein gefährliches Beispiel für die Zukunft dar.“ Geraten Unternehmen in Schwierigkeiten, wird das Vorgehen in der COVID 19-Krise gleich ein gutes Beispiel dafür abgeben, dass Konsumenten zur Rettung dieser Unternehmen herangezogen werden können. „Außerdem zeigt dieses Vorgehen sehr deutlich die Gefahren der Vorauszahlung. Denn wer im Voraus zahlt, trägt das volle Risiko, etwa jenes einer Insolvenz. Und nun riskieren Vorauszahler auch, dass ihnen gesetzlich zustehende Rechte verweigert werden“, fügt Koisser an.

Betroffene Unternehmen sollen selbstverständlich unterstützt werden, dies geschieht ja auch bereits durch verschiedene Maßnahmen und Förderungen. Koisser: „Gelder, die den Kunden zustehen, dafür zu verwenden, kann aber nicht die Lösung sein, zumal die Betroffenen ja auch die Kunden von morgen sein sollen.“

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