Wiedereinstieg © AK Burgenland, AK Burgenland
Wiedereinstieg © AK Burgenland, AK Burgenland

Geteilte Karenz pusht Wiedereinstieg der Mütter

Die gute Nachricht vorweg: In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Männer, die Kinderauszeit in Anspruch nehmen, fast verdoppelt. Von 119 Fällen 2006 auf 212 Fälle im Jahr 2016. Das aktuelle Wiedereinstiegsmonitoring der Arbeiterkammer zeigt darüber hinaus: Gehen Väter länger in Karenz ist die Chance auf einen Wiedereinstieg der Frauen bis zum 2. Geburtstag des Kindes deutlich größer. Leider handelt es sich hier um eine Minderheit. Nur 2,4 Prozent (österreichweit 3 Prozent) der burgenländischen Väter gehen länger als 3 Monate in Karenz. Die Väterbeteiligung ist zwar gestiegen, die meisten Väter unterbrechen ihre Arbeit aber nur sehr kurz, obwohl sie gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Hier sind vor allem die Unternehmen gefordert. „Es braucht ein Umdenken der Unternehmen. Wenn Väter in Karenz gehen ist das von Vorteil für die gesamte Familie“, betont AK-Präsident Gerhard Michalitsch und fordert daher mehr Geld für Kinderbetreuung, familienfreundliche Arbeitszeiten und Verbesserungen für Väter. 

Was ist das Wiedereinstiegsmonitoring?
Im Wiedereinstiegsmonitoring wird die Erwerbs- und Einkommenssituation von Müttern und Vätern nach der Geburt eines Kindes analysiert. Basis sind die anonymisierten Daten von 23.680 Burgenländerinnen und Burgenländern (21.889 Frauen und 1.791 Männer). Das sind all jene, die von 2006 bis 2016 Kinder bekommen haben (ausgenommen sind Selbstständige und BeamtInnen). Die Daten werden seit 2013 alle zwei Jahre ausgewertet. Die AK Burgenland präsentiert zum dritten Mal die Zahlen für das Burgenland, die von der L&R-Sozialforschung ausgewertet werden. 

 „Insgesamt zeigt sich für das Burgenland, dass bei der Väterbeteiligung Luft nach oben besteht“, erläutert AK-Expertin Mag. Gabi Tremmel-Yakali, Leiterin der Abteilung für Interessenpolitik. Das Burgenland stellt gemeinsam mit Vorarlberg bei den Männern, die eine Kinderauszeit in Anspruch nehmen, im Österreichvergleich das Schlusslicht dar. Bei den Personen, die 2016 eine Kinderauszeit in Anspruch genommen haben, belief sich der Anteil der Männer in ganz Österreich auf rund 20 Prozent. Im Vergleich dazu waren es im Burgenland nur 12 Prozent.“
Die Auswertung des aktuellen Monitorings wurde insofern erweitert, als dass der positive oder negative Einfluss einzelner Faktoren auf den Wiedereinstieg von Frauen bis zum 2. Geburtstag des Kindes im Gesamtzusammenhang dargestellt werden kann. „Die Wirksamkeit einzelner Faktoren ist wichtig, um zu wissen, wo am sinnvollsten angesetzt werden kann, damit sich die Chancen der Frauen in Bezug auf die Rückkehr in den Arbeitsmarkt verbessern“, erklärt Tremmel-Yakali. 

Die Ergebnisse

Fünf Faktoren haben sich als besonders wesentlich herauskristallisiert: Höhere Bildung und bessere Erwerbsintegration vor der Geburt sind ebenso wie kürzere Kinderbetreuungsgeldmodelle und ein gutes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen förderlich für einen Wiedereinstieg bis zum 2. Geburtstag. Den mit Abstand größten positiven Einfluss von allen Faktoren haben allerdings längere Väterkarenzen – und zwar von mehr als 6 Monaten. Das Wiedereinstiegsmonitoring zeigt auf, dass in diesem Fall die Chance auf einen Wiedereinstieg rund zweieinhalb (!) Mal größer ist als im Durchschnitt.

Die längere Unterbrechung durch die Väter ist allerdings ein Minderheiten-Programm. Im Burgenland sind es nur 2,4 Prozent, die länger als 3 Monate ihre Erwerbstätigkeit für die Betreuung des Kindes unterbrechen. In fast 90 Prozent der Fälle gibt es keinerlei Beteiligung des Vaters

Grafik © AK Burgenland, AK Burgenland
Grafik: Väterbeteiligung © AK Burgenland, AK Burgenland

Zwar haben sich Erwerbsunterbrechungen von Vätern im Kinderbetreuungsgeldbezug in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht: Waren es bei Paaren, die 2006 ein Kind bekamen, nur 2,7 Prozent der Väter, sind es bei Geburten im Jahr 2015 bereits 7,8 Prozent.

Allerdings ist bei der Dauer der Väterbeteiligung ein kontinuierlicher Trend nach unten zu bemerken. Betrug die Unterbrechungsdauer 2006 noch 330 Tage im Burgenland, so waren es 2014 nur noch 80 Tage. (siehe Grafik)

Grafik © AK Burgenland, AK Burgenland
Grafik: Unterbrechungsdauer bei Männern © AK Burgenland, AK Burgenland

In der Praxis beziehen viele Männer das Kinderbetreuungsgeld für die Mindestdauer von 2 Monaten, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit aber häufig kürzer. Das deutet darauf hin, dass es seitens der Unternehmen großen Druck auf Väter gibt, möglichst rasch in den Job zurückzukehren. Auch die traditionellen Rollenbilder werden bei fehlender betrieblicher Aufgeschlossenheit gegenüber Väterbeteiligung wieder stärker wirksam. Wenn seitens der Unternehmen kein Signal kommt, dass Väterkarenz erwünscht ist, dann geht bei Vätern die Sicherheit des Arbeitsplatzes und die finanzielle Absicherung der Familie vor. 

„Hier braucht es ein Umdenken in den Unternehmen, um den Wunsch vieler Väter nach mehr Zeit mit den Kindern in dieser ersten Lebensphase zu unterstützen“, sagt der AK-Präsident. „Wenn Väter in Karenz gehen ist das von Vorteil für die gesamte Familie. Einerseits können Frauen rascher in den Job zurückkehren und andererseits profitieren Väter und Kinder von der gemeinsamen Zeit.“

„Wichtig ist selbstverständlich für eine gute Rückkehr in den Job, dass ein ausreichendes Betreuungsangebot vorhanden ist. Mit dem Gratiskindergarten und der beitragsfreien Kinderkrippe wurden im Burgenland die richtigen Schritte gesetzt“, so Michalitsch. „Wichtig seitens der Bundesregierung ist jedoch, dass österreichweit genügend Mittel für die Elementarbildung zur Verfügung stehen. Hier gibt es im EU-Vergleich durchaus Aufholbedarf.“ 

Konkret fordert die AK Burgenland:
Gleiche Einkommen: Eine Frau darf für gleichwertige Tätigkeiten nicht weniger verdienen als ein Mann. Kurz: Gleiche Einkommen für gleiche Tätigkeiten für Frauen und Männer. Damit es kein finanzieller Nachteil ist, wenn Väter in Karenz gehen.
Mehr Geld für die Kinderbetreuung: Das Burgenland hat eines der modernsten Kinderbildungs- und Betreuungsgesetze und mit den beitragsfreien Kindergärten und Kinderkrippen hervorragende Rahmenbedingungen sowohl für Kinder als auch für Eltern geschaffen. Im EU-Vergleich gibt Österreich aber deutlich weniger Geld für die Elementarbildung aus. Hier ist die Bundesregierung aufgefordert mehr Mittel zum Ausbau der Kinderkrippen und Kindergärten zur Verfügung zu stellen. Bundesweit muss der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr umgesetzt werden.
Familienfreundliche Arbeitszeiten: Berufsunterbrechungen und Wiedereinstieg sind oft mit beruflichen Nachteilen verbunden. Unternehmen sind gefordert, familienfreundliche und planbare Arbeitszeiten anzubieten. Vater oder Mutter zu sein darf nicht zu Nachteilen in der beruflichen Position und bei der Karriere führen.
Verbesserungen für Väter: Betriebe müssen Männer auch in ihrer Väterrolle wahrnehmen. Es darf zu keinen beruflichen Nachteilen führen, wenn ein Vater Überstunden ablehnt, Teilzeit arbeitet oder in Karenz geht. Der Bezug während eines Papamonats soll jedenfalls als eigenständige Leistung ausbezahlt und nicht auf das Kinderbetreuungsgeld angerechnet werden. 

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Bianca Werfring
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