Arbeitsklima Index 2026
Arbeitsklima Index 2026 © AK Burgenland, AK Burgenland

Zufriedenheit auf historischem Tief

Das Ergebnis des Arbeitsklimaindex 2025 zeigt einen massiven Rückgang der Zufriedenheit unter burgenländischen Arbeitnehmer:innen. Neben pessimistischen Aussichten für die wirtschaftliche Zukunft der Betriebe sind auch Führungsstile, abnehmendes Unternehmensimage und steigende Einsamkeit am Arbeitsplatz Grund für das Rekordtief. „Leider bringt der Arbeitsklimaindex diesmal keine guten Nachrichten – im Gegenteil: Das Arbeitsklima ist seit 2009 so laut AKI so schlecht wie nie zuvor. Da sinken die persönlichen Zukunftserwartungen immer weiter. Besonders die Arbeitnehmer:innen in der Industrie leiden unter dieser Situation“, betont AK-Präsident Gerhard Michalitsch. Das es auch Betriebe gibt, die auch trotz Krisen vieles richtig machen zeigt die Firma Alu Sommer in Stoob.
Der Arbeitsklimaindex zeigt deutlich, dass das Arbeitsklima im Burgenland 2025 ein historisches Rekordtief verzeichnete. „Seit Beginn der Studie im Jahr 2009 haben wir noch nie so niedrige Werte erhoben. Der Gesamtindex liegt bei 95 Punkten. Das sind fünf Punkte schlechter als im Jahr 2024 und ganze 8 Punkte niedriger als im Rest von Österreich. Die Verunsicherung ist gerade bei Burgenlands Arbeitnehmer:innen besonders groß“, betont IFES-Projektleiter Stefan Friesenbichler.

Verantwortlich für diesen Rückgang sind vor allem die betrieblichen Dimensionen: Die Studienteilnehmer:innen zeigten sich besonders pessimistisch gegenüber der wirtschaftlichen Zukunft des Betriebes, dem Unternehmensimage und dem Führungsstil der Vorgesetzten. Auch die Bewertung betrieblicher Sozialleistungen sank von 68 auf nur noch 60 Punkte. „Viele Unternehmen möchten momentan Einsparungen treffen. Doch gerade in den Bereichen Sozialleistungen oder Weiterbildung haben schon kleinste Kürzungen große negative Folgen für die Mitarbeiter:innen", kritisiert Michalitsch. Hinzu kommt ein wachsendes Problem: Arbeitnehmer:innen berichten von steigender psychischer und physischer Belastung bei der Arbeit, wodurch die Einsamkeit am Arbeitsplatz zunimmt. Auffällig ist zudem ein geschlechterspezifisches Gefälle – Männer zeigen sich merklich unzufriedener als ihre Kolleginnen. 

Besser mit Betriebsrat 
Positiv zu vermerken ist, dass in Betrieben mit Betriebsrat die Zufriedenheit durchgehend höher ist als in jenen ohne. Ein eklatanter Unterschied lässt etwa sich bei der Bewertung der Weiterbildungsangebote erkennen: Der Wert der Befragten mit Betriebsrat ist um ganze 20 Punkte höher als bei jenen ohne. Auch beim wirtschaftlichen Optimismus, beim Führungsstil der Vorgesetzen oder bei der Beziehung mit den Kolleg:innen sind Mitarbeiter:innen in Firmen mit Betriebsrat zufriedener. „Insgesamt lässt sich festhalten, dass Arbeitnehmer:innen positiver auf den eigenen sozialen Status und ihre Rechte blicken, wenn eine Betriebsratskörperschaft vorhanden ist. Die Beschäftigten sind ausgeglichener, resilienter und mit den gebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten zufriedener“, so der AK-Präsident, der darauf verweist, dass sich im Burgenland 279 Betriebsratskörperschaften mit insgesamt fast 600 Betriebsrät:innen um die Anliegen ihrer Kolleg.innen kümmern.

Die Branche Industrie und Gewerbe verzeichnete besonders große Einbußen. So sank der Arbeitsklimaindex von 96 Punkten im Jahr 2024 auf nur 88 Punkte 2025. Gleich danach befindet sich der Handel, der von 98 auf 92 Punkte herabsank. Nach einem Anstieg im Jahr 2024 verzeichnete auch der Bereich Gesundheit und Soziales wieder einen Rückgang auf 99 Punkte. 

Positiv bei Alu Sommer
Bei der Firma Alu Sommer in Stoob wird vieles richtig gemacht. Als metallbautechnischer Betrieb im Burgenland werden die Ergebnisse des Arbeitsklimaindexes sehr ernst. „Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden ist für unseren Erfolg wesentlich. Wir haben uns als Spezialisten für hochwertige Aluminium-Glas-Lösungen einen internationalen Ruf erarbeitet: Das liegt in hohem Maße daran, dass wir es Jahr für Jahr schaffen, qualifizierte und fähige Arbeitskräfte heranzubilden und zu halten“, erklären Birgit Brezovich und Marko Buxbaumer aus der Alu-Sommer Geschäftsführung.

ALU-SOMMER beschäftigt rund 200 Mitarbeitende und bildet jährlich im Durchschnitt ca. 15 Lehrlinge in der hauseigenen Lehrwerkstätte aus. „Ein zentraler Bestandteil der Arbeitskräftebindung ist für uns die Lehrlingsausbildung sowie das generationsübergreifende Arbeiten, bei dem Erfahrung und neue Perspektiven bewusst zusammengeführt werden. Wesentlich für uns ist: Wir bilden unsere Fachkräfte selbst aus. Als Betrieb in einer männerdominierten Branche legen wir zudem Wert auf die Einbindung von Frauen sowie auf Vielfalt im Team“, betonen Brezovich und Buxbaumer.

Die Ergebnisse des Arbeitsklimaindexes zeigen außerdem, dass Betriebe mit aktiver Interessenvertretung ein spürbar besseres Arbeitsklima aufweisen. „Das ist auch unsere Erfahrung. Die Zusammenarbeit zwischen unseren Betriebsräten, Jugendvertrauensrat und Führungskräften ist bei ALU-SOMMER von Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt und spielt eine Rolle bei der stetigen Weiterentwicklung unserer Lehrlingsausbildung“, heißt es abschließend von der Alu-Sommer-Geschäftsführung.


Für die AK Burgenland sind diese Zahlen ein eindeutiges Signal und sie fordert daher konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsklimas im Burgenland:

- Mehr Mitbestimmung der Arbeitnehmer:innen im Betrieb ermöglichen. Denn sowohl die Beschäftigten als auch der Betrieb profitieren von Betriebsratskörperschaften.
- Keine Verunsicherung der Mitarbeiter:innen durch taktisches Schlechtreden der Wirtschafts- und Auftragslage, kein weiterer Stellenabbau zur Gewinnmaximierung.
- Betriebliche Sozialleistungen aufrechterhalten und weiter ausbauen. Selbst kleine Änderungen können eine große negative Wirkung erzeugen.
- Wieder vermehrt auf Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten setzen, um die Personalentwicklung positiv zu gestalten.
- Günstige Energie durch die Abschaffung des Merit-Order-Prinzips ermöglichen.


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