Lehrling mit seinem Ausbilder
Lehrling mit Ausbilder © auremar , stock.adobe.com

Historischer Tiefstand bei Lehrverträgen

Die Zahl der betrieblichen Lehrstellen hat einen historischen Tiefstand erreicht: 
über 16.800 Stellen fehlen aktuell österreichweit. Auch im Burgenland sinkt das Angebot an offenen Lehrstellen im Jahresvergleich um 21 Prozent, während die Zahl der Lehrstellensuchenden spürbar zunimmt. Während in burgenländischen Ausbildungsbetrieben Ende 2005 noch mehr als 2.780 Lehrlinge ausgebildet wurden, waren es im Dezember 2025 um 730 weniger. Die Zahl der Lehrlinge in überbetrieblichen Einrichtungen hat sich im selben Zeitraum jedoch vervierfacht. Gleichzeitig gibt österreichweit mehr als ein Drittel der befragten Lehrlinge an, schlechte oder sehr schlechte Ausbildungsbedingungen zu erleben. „Es muss dringend gehandelt werden, sowohl für eine bessere Ausbildungsqualität als auch gegen den Fachkräftemangel", erklärt AK-Präsident Gerhard Michalitsch.
Der sechste ÖGJ-Lehrlingsmonitor ist eine bundesweite Befragung von Lehrlingen im Auftrag des ÖGB und der AK und wird alle zwei Jahre durchgeführt. So konnte die Befragung von 2025 nicht nur die subjektiven Ausbildungsbedingungen der Lehrlinge erfassen, sondern auch aufzeigen, dass die Zahl der betrieblichen Lehrstellen einen historischen Tiefstand erreicht hat. „Immer weniger Betriebe beteiligen sich an der Ausbildung von Lehrlingen, die Zahl der Lehrstellensuchenden steigt jedoch weiter. Die Befragung hat gezeigt, dass es an mehr als 16.800 Lehrstellen fehlt – das ist ein Zeichen für dringend benötigte Veränderung bei den Lehrausbildungen“, betont AK-Präsident Gerhard Michalitsch. 

Während die Lehrstellenlücke trotz des anhaltenden Fachkräftemangels weiter wächst, sinkt gleichzeitig die Qualität der Lehrausbildungen – eine Entwicklung, die doppelten Anlass zur Sorge gibt. „Ganze 37 Prozent der über 6.000 Befragten gaben an, schlechte oder sehr schlechte Ausbildungsbedingungen zu erfahren – das ist der höchste Wert seit 2015. Das häufige Verrichten von ausbildungsfremden Aufgaben, nicht abgegoltene Überstunden, Mobbing, sexuelle Belästigung und Probleme mit Mitarbeiter:innen oder Vorgesetzten verschlechtern die Situation.  Dieses Potpourri an Missständen führt leider dazu, dass jeder vierte Lehrling nicht im erlernten Beruf bleiben möchte“, erklärt AK-Lehrlingsexpertin Jasmin Katzensteiner. 

Dennoch gibt es positive Entwicklungen: „Das Image der Lehre erreicht aus Sicht der Befragten nahezu das der Matura“, so Katzensteiner. Auch die Ausbildungsbedingungen variieren je nach Lehrberuf. Zu den Berufen mit den besten Rahmenbedingungen fallen Industriekaufmann/-frau und Rauchfangkehrer, zu den am schlechtesten bewerteten gehören Medienfachmann/-frau, Tischlerei und Gastronomiefachmann/-frau.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die gemeinsame Lehrlings-Umfrage 2025 von AK Burgenland, ÖGJ, GPA und PRO-GE Jugend. Hier zeigte sich, dass auffällig oft der Wunsch nach mehr praktischen Übungen, besserer Betreuung durch Ausbildner:innen und abwechslungsreicheren Aufgaben geäußert wurde. „Lehrlinge wünschen sich eine ganzheitliche, praxisorientierte und persönlich unterstützende Ausbildung. Sie möchten sowohl fachliche als auch digitale und soziale Kompetenzen vermittelt bekommen“, sagt die Expertin.

Lehrlinge sind für viele Betriebe eine wichtige Investition in den eigenen Fachkräftenachwuchs. Anstatt bei betrieblichen Lehrwerkstätten zu kürzen, sollte deren Förderung stärker an klare Qualitätskriterien geknüpft werden. Es muss dringend gehandelt werden, sowohl für eine bessere Ausbildungsqualität als auch gegen den Fachkräftemangel. Dafür braucht es klare Qualitätsvorgaben: Alle Ausbildungsbetriebe sollen verpflichtend einen Ausbildungsplan erstellen und die Ausbildung dokumentieren. Außerdem muss die Lehre attraktiver werden, zum Beispiel durch bessere Bezahlung, modernere Abschlussprüfungen und eine breitere Ausbildung, die vielseitige Fähigkeiten vermittelt, statt auf hohe Spezialisierung zu setzen. 

„Es braucht eine Ausweitung von Kompetenzzentren als Ergänzung zu bestehenden Ausbildungsverbünden und eine langfristige Absicherung der Finanzierung überbetrieblicher Ausbildungseinrichtungen, um ausreichend Ausbildungsmöglichkeiten zu gewährleisten, damit die Auszubildenden der sich wandelnden Arbeitswelt gewachsen sind. Dazu zählt auch, dass das AMS ausreichend Budget erhält, um die Lehrlings-Situation zu stabilisieren“, fordert AK-Präsident Gerhard Michalitsch.

Konkrete Hilfe bietet die AK Burgenland mit dem Lehrlingscoaching an: Hier werden Lehrlinge bei Herausforderungen rund um die Lehrausbildung individuell beraten und begleitet. Ziel ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und Lösungen und Möglichkeiten am Weg zum Lehrabschluss zu finden.

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