Wenn das Geld nicht reicht
Etwa jede fünfte Person in Österreich ist armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, Tendenz steigend. Zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober wird deutlich: Armut bedeutet mehr als reine finanzielle Not. Denn wer wenig verdient, ist öfter von Krankheit betroffen, kommt nur schwer aus der Armutsspirale wieder heraus. „Um diesem Trend entgegenzuwirken braucht es umfassende Maßnahmen, damit gefährdete Personen nicht weiter abrutschen: Der Sozialstaat muss gestärkt und darf nicht kaputtgespart werden“, fordert AK-Präsident Gerhard Michalitsch.„Jede Senkung der Lohnnebenkosten, also der Sozialstaatsbeiträge, von denen die Familienbeihilfe, das Kinderbetreuungsgeld, Schulbücher usw. finanziert werden, sorgt indirekt für mehr Armut: Beim Familienlastenausgleichsfonds, kurz FLAF, wird schon wieder gespart. Zudem werden andere Beiträge gekürzt, was stets nur die Arbeitgeber:innen entlastet. Arbeitnehmer:innen werden dagegen erneut extra beschnitten – Beschäftigte bekommen deshalb nicht mehr Netto vom Brutto, im Gegenteil: alle ‚Lohnnebenkostensenkungen‘, die nicht zur Gänze gegenfinanziert werden, werden mit allgemeinen Steuermitteln aufgefüllt – mit dem Steuergeld der Beschäftigten“, kritisiert AK-Präsident Gerhard Michalitsch scharf.
Statistik: Armut macht auch krank!
Armut ist in Österreich kein Randthema: Etwa jede fünfte Person in Österreich war im Jahr 2025 laut einer Erhebung der Statistik Austria armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Und die Zahl steigt: Seit 2018 nimmt sie stetig zu. Im Burgenland liegt die Quote bei elf Prozent. Der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober 2026 richtet den Blick auf diese Problematik. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit trifft es bereits armutsgefährdete Personen, wie Alleinerziehende, Pensionist:innen mit geringer Pension, arbeitslose Menschen, Schlechtverdienende und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, die sogenannten „Working Poor“ am schlimmsten. Letztere Gruppe geht sogar arbeiten, kann aber nicht von dem Gehalt leben. Doch es geht hierbei nicht nur um finanzielle Not, denn Armut macht auch krank. Das ergibt eine Untersuchung der EU-SILC-Zahlen der Statistik Austria für das Jahr 2025: 19 Prozent der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Personen müssen in feuchten und von Schimmel befallenen Wohnungen leben, fast jede fünfte in einem überbelegten Wohnraum. Elf Prozent der armutsgefährdeten Menschen bezeichneten außerdem den eigenen Gesundheitszustand als „schlecht“ bis „sehr schlecht“. Im Gegensatz dazu sind es in der Gruppe der Personen mit hohem Einkommen nur ein Prozent. Auch in dieser Thematik wird ein geschlechterspezifischer Unterschied deutlich: Laut der Statistik Austria galten 16 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer als armutsgefährdet.