Person im Supermarkt prüft Kassenbon neben Einkaufswagen mit Brot, Milch, Wasser und Gemüse.
Eine Person steht in einem Supermarkt und liest einen Kassenbon, während neben ihr ein Einkaufswagen mit Brot, Milch, Wasserflaschen und frischem Gemüse steht. Die Szene zeigt einen alltäglichen Lebensmitteleinkauf und bewussten Konsum. © stokkete, stock.adobe.com

Wenn das Geld nicht reicht

Etwa jede fünfte Person in Österreich ist armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, Tendenz steigend. Zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober wird deutlich: Armut bedeutet mehr als reine finanzielle Not. Denn wer wenig verdient, ist öfter von Krankheit betroffen, kommt nur schwer aus der Armutsspirale wieder heraus. „Um diesem Trend entgegenzuwirken braucht es umfassende Maßnahmen, damit gefährdete Personen nicht weiter abrutschen: Der Sozialstaat muss gestärkt und darf nicht kaputtgespart werden“, fordert AK-Präsident Gerhard Michalitsch. 
„Oft fehlt beispielsweise das Geld für gesundes Essen, soziale Teilhabe oder für das Beheizen der Wohnung, weshalb es öfter zu Schimmelbefall kommt. Es ist leider häufig – trotz des Sozialstaats – schwierig, sich aus der Armutsspirale zu befreien. Daher muss der Sozialstaat gestärkt und nicht durch die Hintertür ausgehöhlt werden“, erklärt AK-Expertin Mag.a Brigitte Ohr-Kapral. Die mit Abstand vulnerabelste Gruppe der Armutsgefährdeten sind kranke Menschen. Wenn eine schwere Erkrankung und Pflegebedürftigkeit vorliegen, gibt es oftmals trotz Unterstützungsangebote komplette Armut. „Das Krankengeld ersetzt niemals das Gehalt. Auch das Pflegegeld ist unerlässlich – jedoch deckt dieses in vielen Bereichen den Pflegebedarf finanziell nicht ab“, so die Expertin. 

„Jede Senkung der Lohnnebenkosten, also der Sozialstaatsbeiträge, von denen die Familienbeihilfe, das Kinderbetreuungsgeld, Schulbücher usw. finanziert werden, sorgt indirekt für mehr Armut: Beim Familienlastenausgleichsfonds, kurz FLAF, wird schon wieder gespart. Zudem werden andere Beiträge gekürzt, was stets nur die Arbeitgeber:innen entlastet. Arbeitnehmer:innen werden dagegen erneut extra beschnitten – Beschäftigte bekommen deshalb nicht mehr Netto vom Brutto, im Gegenteil: alle ‚Lohnnebenkostensenkungen‘, die nicht zur Gänze gegenfinanziert werden, werden mit allgemeinen Steuermitteln aufgefüllt – mit dem Steuergeld der Beschäftigten“, kritisiert AK-Präsident Gerhard Michalitsch scharf. 

Statistik: Armut macht auch krank!
Armut ist in Österreich kein Randthema: Etwa jede fünfte Person in Österreich war im Jahr 2025 laut einer Erhebung der Statistik Austria armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Und die Zahl steigt: Seit 2018 nimmt sie stetig zu. Im Burgenland liegt die Quote bei elf Prozent. Der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober 2026 richtet den Blick auf diese Problematik. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit trifft es bereits armutsgefährdete Personen, wie Alleinerziehende, Pensionist:innen mit geringer Pension, arbeitslose Menschen, Schlechtverdienende und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, die sogenannten „Working Poor“ am schlimmsten. Letztere Gruppe geht sogar arbeiten, kann aber nicht von dem Gehalt leben. Doch es geht hierbei nicht nur um finanzielle Not, denn Armut macht auch krank. Das ergibt eine Untersuchung der EU-SILC-Zahlen der Statistik Austria für das Jahr 2025: 19 Prozent der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Personen müssen in feuchten und von Schimmel befallenen Wohnungen leben, fast jede fünfte in einem überbelegten Wohnraum. Elf Prozent der armutsgefährdeten Menschen bezeichneten außerdem den eigenen Gesundheitszustand als „schlecht“ bis „sehr schlecht“. Im Gegensatz dazu sind es in der Gruppe der Personen mit hohem Einkommen nur ein Prozent. Auch in dieser Thematik wird ein geschlechterspezifischer Unterschied deutlich: Laut der Statistik Austria galten 16 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer als armutsgefährdet.

Kontakt

Kontakt

Arbeiterkammer Burgenland
Wiener Straße 7
7000 Eisenstadt

T: 0664/78006171
E: presse@akbgld.at