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AK Frauen.Management.Report 2022: Die Quote bringt’s!

Fünf Jahre nach Einführung einer verbindlichen Quote von mindestens 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsratsgremien bestimmter großer und börsennotierter Unternehmen zeigt sich: Die Quote wirkt. Aktuell liegt der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der quotenpflichtigen Börsenunternehmen bei rund 35 Prozent. In den staatsnahen Unternehmen, die punkto Diversität als Vorreiter:innen gelten, macht der Anteil mittlerweile sogar knapp 47 Prozent aus. 

 

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Den kompletten Frauen-Management-Report 2022 finden Sie hier

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Report 2021

Schlusslicht in Europa im Management 

Die Vorstandsetagen und Geschäftsführungen bleiben weiter eine (fast) reine Männerdomäne. Gerade einmal acht Prozent sind es bei jenen Betrieben, die für den Aufsichtsrat einer Quote unterliegen. Die ATX-Unternehmen weisen im Jänner 2022 nicht einmal sieben Prozent auf.

Damit hat Österreich im EU-Vergleich beinahe die rote Laterne inne, liegt es doch vor Luxemburg an vorletzter Stelle. „Nach der Quote für den Aufsichtsrat, die weiter erhöht werden muss, braucht es jetzt die Quote für den Vorstand. Denn nur mit einer gesetzlichen Verpflichtung wird es auch mehr Chefinnen geben“, fordert AK Präsidentin Renate Anderl. 

Die Ergebnisse im Überblick

Entwicklung in den Aufsichtsräten 

Seit Einführung der Quote 2018 hat sich der Anteil von Frauen in den quotenpflichtigen börsennotierten Unternehmen signifikant von 22,4 auf aktuell 35,1 Prozent erhöht. Dagegen liegen die nicht-quotenpflichtigen Unternehmen bei lediglich 18 Prozent.

„Doch trotz der positiven Entwicklung bei den quotengebundenen Firmen zeigt sich, dass die Dynamik abflacht. Mit den hohen Steigerungsraten, die wir bei Implementierung der Quote gesehen haben, ist es vorbei. Der Quotendeckel von 30 Prozent wiegt bei vielen Unternehmen schwer“, erklärt Christina Wieser, Betriebswirtin in der AK Wien und langjährige Autorin des AK-Frauen.Management.Report.   

Hervorzuheben sind beim Frauenanteil in den Aufsichtsräten die staatsnahen Unternehmen. Sie weisen bereits 2021 einen Anteil von knapp 47 Prozent auf. Allerdings hat sich die Bundesregierung im Ministerrat schon im März 2011 selbst verpflichtet, eine Quotenregelung zur geschlechtergerechten Besetzung in den Aufsichtsräten der Bundesunternehmen einzuhalten. 

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Entwicklung im Management (Vorstand, Geschäftsführung) 

Im Vergleich zu den Aufsichtsräten müssen Frauen im Management noch immer mit der Lupe gesucht werden. Die Zahlen stagnieren seit Jahren. In den börsennotierten Unternehmen liegt der Frauenanteil bei rund acht Prozent (quoten- und nicht-quotenpflichtige), bei jenen 20 Unternehmen, die im Wiener Leitindex ATX gelistet sind, sind es 6,9 Prozent. Fast jedes fünfte Unternehmen an der Börse wird als „all-male board“ geführt.

„Wirft man einen Blick nach Deutschland und betrachtet die Werte im deutschen DAX, so macht hier der Frauenanteil immerhin 14,1 Prozent aus. Das sind bereits Vorboten der ab August dieses Jahres geltenden Mindestbeteiligung von Frauen im Vorstand“, weist Studienautorin Wieser auf die Quote in Deutschland hin, die in Kürze in Kraft tritt. Konkret muss ab vier Personen im Vorstand mindestens eine Frau vertreten sein. „Und auch Frankreich hat kürzlich nachgezogen und wird die Geschlechterquote mit vorerst 30 Prozent bis 2027 und 40 Prozent bis 2030 auf die gesamte Unternehmungsführung ausweiten“, ergänzt Wieser. 

Mit den aktuellen Zahlen im Management liegt Österreich im europäischen Vergleich weit abgeschlagen. Nur noch Luxemburg weist einen geringeren Frauenanteil in den Chef:innen-Etagen auf. Studienautorin Wieser nennt mehrere Gründe für die Unterrepräsentanz: „Vorurteile, Diskriminierung, die Ausrichtung von Karriereplänen auf traditionelle Geschlechterrollen und dass mit steigender Hierarchiehöhe die objektiven Auswahlmethoden bei Rekrutierungsprozessen wegfallen. Das heißt, es gilt das Ähnlichkeitsprinzip, also rekrutieren Männer wieder Männer.“

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Fazit

„Wenn wir nicht auch für das Management gesetzliche Schritte setzen und eine Quote einführen, wird der Frauenanteil weiter unter ferner liefen bleiben. Dass mit Freiwilligkeit nichts zu erreichen ist, ist längst in Stein gemeißelt. Deutschland macht es vor, Frankreich folgt, jetzt muss auch Österreich in die Gänge kommen“, fasst AK Präsidentin Anderl die Ergebnisse des Frauen.Mangement.Report zusammen.

Dass zusätzlich zur Quote auf Unternehmens-Ebene viel getan werden kann, zeigen die ÖBB vor. Wie Andrea Reithmayer, Aufsichtsratsvorsitzende der ÖBB Holding AG, betont, haben die „historisch männerlastigen ÖBB aufgrund vieler Maßnahmen beim Frauenanteil sichtbar aufgeholt“: Denn lag der Frauenanteil 2018 noch bei 12,8 Prozent, ist er heute bei 14,2 Prozent. Von insgesamt 42.000 Mitarbeiter:innen sind heute rund 6.000 oder 950 Frauen mehr bei den ÖBB beschäftigt. 

Auch im Management ist ein Erfolg zu sehen: Vor fünf Jahren lag der Anteil der Frauen im mittleren Management noch bei knapp zehn Prozent, heute bereits bei über 15 Prozent, bei Vorstandsposten sogar bei 33 Prozent und bei den Geschäftsführungen bei 50 Prozent, wenn die aktuellen Besetzungen mitberücksichtigt werden.  

„Wir wollen unseren Frauenanteil deutlich weiter erhöhen und haben dafür auch die Weichen gestellt: In den nächsten fünf Jahren suchen die ÖBB aufgrund des Generationswechsels 17.000 Mitarbeiter:innen, aktuell sind 700 offene Stellen ausgeschrieben. Das ist eine einmalige Chance, noch mehr Diversität und Gleichstellung ins Unternehmen zu bringen. Ich lade ganz speziell Frauen ein, sich zu bewerben”, sagt Reithmayer.

Unsere Forderungen

  • Erhöhung der Quote für den Aufsichtsrat auf mindestens 40 Prozent sowie Erhöhung der Reichweite. Der Geltungsbereich muss auf alle großen und börsennotierten Unternehmen ausgeweitet werden. 

  • Einführung einer Quote für das Management – in einem ersten Schritt für börsennotierte Unternehmen. Ab drei Vorstandsmitgliedern soll es einen Frauenanteil von mindestens 33 Prozent geben. So würde der jetzige Anteil von rund acht auf knapp 28 Prozent steigen, es würden mindestens 43 Spitzenpositionen für Frauen entstehen. 

  • Verbesserung der Rahmenbedingungen im Gesellschaftsrecht: Nach Vorbild Deutschlands, aber auch anderer Länder wie Dänemark, Belgien und Niederlande sollte auch im österreichischen Aktiengesetz ein Anspruch auf Mandatspause bestehen, wenn ein Vorstandsmitglied wegen Mutterschutz, Elternkarenz, Pflegekarenz oder Krankheit seinen Pflichten vorübergehend nicht nachkommen kann. Wichtig: Mitgliedschaft im Vorstand muss gesichert bleiben, während der Mandatspause darf keine Haftung drohen. 

  • Bonuszahlungen an das Management müssen künftig an Ziele wie mehr Frauen in Führungspositionen sowie ein Mindestfrauenanteil bei den Neuaufnahmen in männerdominierten Branchen gekoppelt werden.   

  • Um weiterführende gleichstellungspolitische Maßnahmen abzuleiten, braucht es Transparenz im Hinblick auf die Geschlechterverhältnisse in Aufsichtsrat und Management der unterschiedlichen Unternehmensgruppen (quotenpflichtig, nicht-quotenpflichtig, Beteiligungsunternehmen des Bundes). Nach Vorbild Deutschland ist dazu auch in Österreich ein jährlicher, umfassender und differenzierter Monitoringbericht notwendig, um Entwicklungen zu evaluieren sowie Handlungsfelder abzuleiten.

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