Schulunterricht
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18.08.2026

Nachhilfebarometer '26: Eltern zahlen für Lücken im Schulsystem

Private Nachhilfe gehört für viele Familien längst zum Schulalltag. Eltern investieren Geld und Zeit, damit ihre Kinder jene Unterstützung erhalten, die in der Schule vielfach fehlt.

Der aktuelle AK Nachhilfebarometer 2026 zeigt das Ausmaß dieser Belastung und macht deutlich: Bildungserfolg darf nicht vom Einkommen oder den zeitlichen Ressourcen der Eltern abhängen. 

Die Arbeiterkammer fordert ein Bildungssystem, das alle Kinder bestmöglich fördert – ohne dass Eltern die Lücken im Schulsystem mit privater Nachhilfe ausgleichen müssen.

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • 338.000 Kinder und Jugendliche (32 Prozent aller Schüler:innen) erhalten Nachhilfe
  • Bereits jedes vierte Volksschulkind (23 Prozent) braucht Nachhilfe. 
  • Familien geben durchschnittlich 720 Euro pro Kind und Jahr für Nachhilfe aus.
  • Insgesamt geben Familien jährlich 144 Millionen Euro für bezahlte Nachhilfe aus.
  • 68 Prozent der Eltern unterstützen ihre Kinder mehrmals pro Woche beim Lernen.

Nachhilfe ist für viele Familien längst Normalität

Nachhilfe gehört für viele Familien längst zum Schulalltag – und beginnt immer früher. Bereits jedes vierte Volksschulkind erhält zusätzliche Unterstützung beim Lernen. Was früher die Ausnahme war, ist heute vielfach Voraussetzung, damit Kinder in der Schule mitkommen. Das Gesamtbild zeigt ein Systemversagen: Insgesamt erhält jede:r dritte Schüler:in (32 Prozent aller Schüler:innen) Nachhilfe.

Individuelle Förderung findet viel zu oft außerhalb der Schule statt. Familien gleichen die Lücken des Bildungssystems mit Zeit und Geld aus. Gute Bildung darf jedoch nicht von den Ressourcen der Eltern abhängen. Deshalb fordert die AK treffsichere Investitionen in Schulen, den Ausbau ganztägiger Bildungsangebote und eine spürbare Entlastung der Familien bei den Schulkosten.

28 Prozent der bezahlten Nachhilfefälle führen Eltern direkt auf Defizite im Unterricht zurück – weil der Stoff nicht ausreichend vermittelt wurde oder Unterricht ausgefallen ist. Rund 40 Millionen Euro der privaten Nachhilfeausgaben fließen so in jene individuelle Förderung, die eigentlich in der Schule stattfinden müsste. Hunderttausende Familien zahlen damit doppelt – mit ihren Steuern für die öffentliche Schule und dann noch einmal privat für die Nachhilfe. 

Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung der AK Wien:

„Wenn jedes dritte Schulkind Nachhilfe braucht, erfüllt das Schulsystem seine Aufgabe nicht mehr. Und wenn das System versagt, dann müssen es die Eltern richten. Dann wird Bildung zur Budgetfrage – zur Frage des Zeitbudgets und des Geldbudgets jeder einzelnen Familie. Wer es sich leisten kann, kauft Unterstützung zu oder springt selbst ein. Wer beides nicht kann, für dessen Kind heißt es in Österreich offenbar: Pech gehabt. Das ist die Privatisierung des Schulerfolges. Nicht das Können eines Kindes entscheidet, sondern der Kontostand der Eltern.“

Wer weniger Zeit oder Geld hat, hat schlechtere Bildungschancen

Der AK Nachhilfebarometer 2026 zeigt: Aus Sicht der Eltern hängen Bildungschancen noch immer stark von den Ressourcen der Familie ab. Nur 19 Prozent der Eltern glauben, dass allein die Fähigkeiten ihres Kindes über dessen Bildungserfolg entscheiden. Drei von fünf sehen auch das Einkommen der Eltern als entscheidenden Faktor, ein Fünftel hält es sogar für wichtiger als die Fähigkeiten des Kindes.

Eltern gleichen das schulische Systemversagen oft mit Geld, Zeit und eigener Unterstützung beim Lernen aus. Wo diese Ressourcen fehlen, haben Kinder schlechtere Chancen, schulische Nachteile auszugleichen.

Elke Larcher, AK Bildungsexpertin:

„Kinder bringen unterschiedliche Talente mit – aber sie sollten nicht unterschiedliche Chancen haben. Wenn Bildungserfolg vom Einkommen, von der Zeit oder von der Bildung der Eltern abhängt, verfehlt unser Bildungssystem seinen Auftrag.“

AK fordert: Kinder brauchen gleiche Chancen – unabhängig vom Elternhaus

Die Ergebnisse des AK Nachhilfebarometers verdeutlichen: Gute Bildung muss in der Schule gelingen. Bildung darf nicht auf die Schultern der Eltern verlagert werden. Deshalb fordert die Arbeiterkammer eine Bildungspolitik, die jedem Kind und jedem Jugendlichen Grundkompetenzen vermittelt und individuelle Stärken fördert.

  • Treffsicher in Schulen investieren und den Chancen-Index ausbauen
  • Ganztägige Bildungsangebote ausbauen.
  • Schul- und Unterrichtsqualität verbessern 
  • Schulkosten deutlich senken 
  • Armutsgefährdete Familien und Alleinerzieher:innen gezielt entlasten 

Ilkim Erdost, AK Bereichsleiterin Bildung:

„Die Verantwortung liegt bei der Politik: Sie muss die Schulen so ausstatten, dass Bildung nicht vom Einsatz der Eltern oder von deren Bankkonto abhängt. Wir brauchen viel mehr Geld für den Chancenbonus und beitragsfreie Ganztagsschulen – flächendeckend, in ganz Österreich. Damit zuhause nicht mehr nachgelernt werden muss, was die Schule auslässt – sondern geübt werden kann. Jedes Kind hat ein Recht auf die beste Bildung. Und unsere AK-Mitglieder haben ein Recht darauf, dass die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern Familienzeit ist. Und nicht Lernzeit.“ 

Der Nachhilfebarometer 2026 in Grafiken

Video von der Pressekonferenz


Die gesamte Presseaussendung zum Download 

Zur Studie

Die Studie zum Download

Der AK Nachhilfebarometer 2026 wurde vom IFES – Institut für empirische Sozialforschung (Julian Aichholzer, Alexander Brenn) im Auftrag der Arbeiterkammer Wien durchgeführt.

  • Stichprobe: Bundesweit repräsentative Befragung von 3.208 Eltern mit insgesamt 4.728 Schulkindern. Grundgesamtheit sind Haushalte mit Schulkindern in Österreich; ausgenommen sind Berufsschulen, Akademien und Schulen im Gesundheitswesen.
  • Erhebungsmethode: Standardisierte telefonische und Online-Befragung.
  • Erhebungszeitraum: März bis Mai 2026.
  • Gewichtung: Die Ergebnisse wurden nach der Schulstatistik 2024/25 gewichtet und sind repräsentativ für Eltern mit schulpflichtigen Kindern in Österreich.

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