Lebensversicherung: Darauf sollten Sie achten

Lebensversicherungen können unterschiedliche Zwecke erfüllen. Sie werden zum Beispiel als Pensionsvorsorge, zur finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen oder als Sicherheit für einen Kredit angeboten. 

Eine Lebensversicherung bindet Sie meist für viele Jahre. Prüfen Sie daher vor dem Abschluss genau, welches Produkt Sie wählen, welche Kosten anfallen und ob Sie die Prämien dauerhaft bezahlen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Lebensversicherungen sind langfristige Verträge und nur wenig flexibel.
  • Bei einer vorzeitigen Kündigung drohen oft hohe Verluste.
  • Vergleichen Sie mehrere Angebote und achten Sie besonders auf Kosten, Garantien und unverbindliche Gewinnprognosen.
  • Prüfen Sie, ob eine reine Ablebensversicherung für die Absicherung Ihrer Familie ausreicht.
  • Nach dem Vertragsabschluss können Sie innerhalb von 30 Tagen zurücktreten.
  • Bevor Sie einen Vertrag kündigen, sollten Sie auch eine Prämienfreistellung prüfen.

Wofür werden Lebensversicherungen verwendet?

Lebensversicherungen können eingesetzt werden

  • als private Pensionsvorsorge,
  • zur finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen im Todesfall,
  • als Tilgungsträger für einen Kredit oder
  • als Kreditsicherheit.

Nicht jedes Produkt eignet sich für jeden Zweck. Entscheidend ist, ob Sie sparen, Ihre Familie absichern oder einen Kredit besichern möchten.

Steuerliche Vorteile gelten nur eingeschränkt

Prämienzahlungen für eine Lebensversicherung konnten unter bestimmten Voraussetzungen als Sonderausgaben steuerlich berücksichtigt werden. Voraussetzung war, dass die Auszahlung in Form einer Rente vorgesehen war.

Aufgrund der Lohnsteuerreform 2016 war diese steuerliche Berücksichtigung nur noch für bestehende Verträge und nur für die Jahre 2016 bis 2020 möglich.

Welche Nachteile haben Lebensversicherungen?

Gewinnbeteiligung ist nicht garantiert

Die beworbene Gewinnbeteiligung ist unverbindlich. Das bedeutet: Der Versicherer stellt diese Erträge nur in Aussicht, garantiert sie aber nicht.

Die tatsächliche Auszahlung kann daher deutlich niedriger sein als jene Summe, die Ihnen in einer Modellrechnung gezeigt wurde.

Wenig Flexibilität und lange Bindung

Lebensversicherungen laufen meist über viele Jahre. Benötigen Sie während der Laufzeit dringend Geld, kann eine vorzeitige Auflösung des Vertrags hohe Verluste verursachen.

Von Ihren Prämien werden unter anderem abgezogen:

  • die Kosten für den Ablebensschutz,
  • die Verwaltungskosten des Versicherers und
  • die Vermittlungsprovision.

Diese Beträge stehen nicht für die Ansparung zur Verfügung und werden bei einer vorzeitigen Kündigung nicht einfach zurückgezahlt.

Hinterbliebene absichern: Oft reicht eine Ablebensversicherung

Möchten Sie vor allem Ihre Familie für den Fall Ihres Todes absichern, kann eine reine Ablebensversicherung sinnvoller sein als eine gemischte Er- und Ablebensversicherung.

Die Ablebensversicherung ist eine reine Risikoversicherung: Sie zahlt nur dann die vertraglich vereinbarte Summe aus, wenn die versicherte Person während der Laufzeit stirbt.

Sie kann häufig

  • für einen kürzeren Zeitraum und
  • mit einer höheren Versicherungssumme

abgeschlossen werden als eine gemischte Lebensversicherung.

Damit lässt sich der Versicherungsschutz besser an die jeweilige Lebenssituation anpassen – etwa bis zum Ende der Ausbildung der Kinder.

Vor dem Abschluss: Diese Fragen sollten Sie klären

Eine Lebensversicherung bedeutet eine langfristige finanzielle Verpflichtung. Informieren Sie sich daher umfassend und vergleichen Sie mehrere Angebote.

Welche Art von Lebensversicherung wird angeboten?

Lebensversicherung ist nicht gleich Lebensversicherung. Prüfen Sie genau, welches Produkt Sie abschließen.

Er- und Ablebensversicherung

Bei einer Er- und Ablebensversicherung wird eine Leistung ausgezahlt,

  • wenn die versicherte Person das Ende der vereinbarten Laufzeit erlebt oder
  • wenn sie während der Laufzeit stirbt.

Dieses Produkt verbindet somit Sparen und Todesfallschutz.

Ablebensversicherung

Die Ablebensversicherung ist eine reine Risikoversicherung.

Sie zahlt nur im Todesfall der versicherten Person eine vertraglich festgelegte Summe aus. Läuft der Vertrag ab und lebt die versicherte Person noch, gibt es keine Auszahlung.

Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge

Auch die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge wird teilweise als Lebensversicherung angeboten. Sie ist eine besondere, im Einkommensteuergesetz geregelte Vorsorgeform und wird durch eine staatliche Prämie gefördert.

Achtung: Die staatliche Prämie ist nicht fix. Außerdem können die Erträge gering ausfallen.

Lassen Sie sich keine Pensionslücke einreden

Beim Verkauf einer Lebensversicherung wird Konsument häufig eine sogenannte Pensionslücke vorgerechnet.

Hinterfragen Sie diese Berechnung genau:

  • Mit welcher gesetzlichen Pension können Sie tatsächlich rechnen?
  • Welche Annahmen liegen der Berechnung zugrunde?
  • Sind die dargestellten Werte garantiert oder nur geschätzt?

Zur Einschätzung Ihrer voraussichtlichen staatlichen Pension können Sie den AK-Pensionsrechner verwenden.

Können Sie die Prämie langfristig bezahlen?

Überlegen Sie vor dem Abschluss, ob Sie die Prämien auch dann noch bezahlen können, wenn es finanziell einmal enger wird.

Berücksichtigen Sie dabei nicht nur die derzeitige Prämie, sondern auch mögliche Erhöhungen, Zusatzkosten und Zuschläge.

So vermeiden Sie, dass Sie den Vertrag später mit Verlust kündigen müssen.

Vorsicht bei automatischen Prämienerhöhungen

Viele Versicherungen bieten eine sogenannte Dynamisierung oder Wertanpassung an. Dabei steigen die Versicherungsleistung und die Versicherungssumme regelmäßig, zum Beispiel um jährlich 4 Prozent.

Die Anpassung soll unter anderem den Kaufkraftverlust ausgleichen. Häufig ist dafür keine neue Gesundheitsprüfung erforderlich.

Die höhere Versicherungssumme führt aber auch zu einer höheren Prämie. In ungünstigen Fällen steigt die Prämie stärker als die Versicherungsleistung. Als Gründe werden unter anderem steigende Risikokosten im höheren Alter und zusätzliche Provisionen genannt.

Prüfen Sie daher bei bestehenden Verträgen genau, wie sich die Dynamikklausel auf Ihre Prämie auswirkt.

Wird die Prämie zu teuer, können Sie auf die weitere Dynamisierung verzichten. Setzen Sie die Anpassung aus, bleiben Versicherungssumme und Prämie grundsätzlich auf dem bisherigen Stand.

Unterjährige Zahlung kann teuer sein

Bezahlen Sie Ihre Prämie monatlich, vierteljährlich oder halbjährlich, kann der Versicherer einen sogenannten Unterjährigkeitszuschlag verrechnen.

Dieser Zuschlag kann auf lange Sicht einen erheblichen Teil des Ertrags aufzehren.

Beispielsweise können die Zuschläge betragen:

  • bis zu 6 Prozent bei monatlicher Zahlung,
  • rund 2 Prozent bei halbjährlicher Zahlung.

Bei jährlicher Zahlung fallen solche Zuschläge hingegen nicht an.

Tipp: Prüfen Sie die Kosten mit dem AK-Versicherungsspesenrechner.

Brauchen Sie teure Zusatzversicherungen?

Zusätzliche Tarife, etwa für Unfall oder Berufsunfähigkeit, können die Prämie deutlich erhöhen.

Prüfen Sie daher:

  • Benötigen Sie diesen zusätzlichen Schutz?
  • Welche Leistungen sind genau enthalten?
  • Ist ein eigener Vertrag möglicherweise günstiger?

Holen Sie Vergleichsangebote für eine eigenständige Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung ein. Vergleichen Sie diese Kosten mit der Lebensversicherung ohne Zusatzbaustein.

Angebote vergleichen: Kosten und Garantien prüfen

Holen Sie immer mehrere Angebote ein. Selbst wenn die Erträge der Versicherungen ähnlich ausfallen, können sich die Kosten deutlich unterscheiden.

Eine AK-Erhebung zur Zukunftsvorsorge zeigte etwa, dass die Abschlusskosten bei acht Versicherern zwischen 340 und 1.440 Euro lagen.

Bei ähnlichen Ertragsaussichten sind die Kosten daher ein wichtiges Auswahlkriterium.

Achten Sie auf den effektiven Garantiezinssatz

Bei Angeboten muss der effektive Garantiezinssatz angegeben werden. Diese Angabe ist seit 1. Jänner 2016 vor Vertragsabschluss verpflichtend.

Der effektive Garantiezinssatz zeigt, welche garantierte Rendite nach Abzug der Kosten tatsächlich übrig bleibt.

Eine weitere Kennzahl ist die effektive Gesamtverzinsung. Sie zeigt den voraussichtlichen Gesamtertrag nach Kosten. Dieser Wert ist jedoch nicht garantiert.

Kosten müssen übersichtlich dargestellt werden

Für kapitalbildende Lebensversicherungen müssen Kund vor Vertragsabschluss eine tabellarische Kostenübersicht erhalten.

Diese Tabelle enthält auch die sogenannte Sparprämie. Das ist jener Anteil Ihrer Prämie, der tatsächlich angespart wird.

Nicht zur Sparprämie gehören insbesondere

  • die Kosten des Versicherungsunternehmens und
  • die Risikoprämie für das Todesfallrisiko.

Je höher die Kosten und Risikoprämien sind, desto weniger von Ihrer Einzahlung wird tatsächlich veranlagt.

Was ist garantiert – und was nur eine Prognose?

Unterscheiden Sie genau zwischen garantierten und unverbindlichen Leistungen.

Garantiert sein können zum Beispiel

  • das garantierte Kapital am Ende der Laufzeit oder
  • eine garantierte monatliche Rente.

Unverbindlich sind häufig

  • die prognostizierte Versicherungssumme einschließlich Gewinnbeteiligung oder
  • die voraussichtliche Rente einschließlich Gewinnbeteiligung.

Unverbindliche Werte erkennen Sie häufig an einer Fußnote. Dort steht dann, dass die Berechnung auf derzeitigen Gewinnausschüttungen oder Gewinnbeteiligungen beruht.

Zwischen der garantierten Leistung und der unverbindlichen Prognose können große Unterschiede bestehen.

Lebensversicherungen ohne garantierten Zinssatz

Es gibt auch klassische Lebensversicherungen ohne vertraglich garantierten Zinssatz.

Fragen Sie in diesem Fall genau nach, welchen konkreten Vorteil Ihnen das Produkt als Ausgleich für die fehlende Zinsgarantie bietet.

Nach dem Abschluss: 30 Tage Rücktrittsrecht

Haben Sie Ihre Meinung geändert, können Sie von einer Lebensversicherung innerhalb von 30 Tagen ab Vertragsabschluss zurücktreten.

Das gilt zum Beispiel, wenn

  • Sie sich die Versicherung doch nicht leisten können oder
  • Sie ein besseres Angebot gefunden haben.

Das Rücktrittsrecht soll Sie davor schützen, sich übereilt langfristig zu binden.

Lebensversicherung vorzeitig kündigen

Möchten Sie den Vertrag vor dem vereinbarten Ende auflösen, informieren Sie sich vorher genau über die finanziellen Folgen.

Eine vorzeitige Kündigung kann teuer sein. Besonders in den ersten Vertragsjahren liegt die Auszahlung oft deutlich unter der Summe Ihrer eingezahlten Prämien.

Das AK-Online-Tool „Versicherung kündigen“ unterstützt Sie bei den notwendigen Schritten.

Rückkaufswert prüfen

Bei einer Kündigung erhalten Sie den sogenannten Rückkaufswert. Das ist jener Betrag, den der Versicherer bei der vorzeitigen Auflösung des Vertrags auszahlt.

Die Rückkaufswerte müssen in der Versicherungspolizze angeführt sein.

Grundsätzlich gilt: Je früher Sie kündigen, desto niedriger ist der Rückkaufswert im Verhältnis zu den bereits bezahlten Prämien.

Alternative zur Kündigung: Prämienfreistellung

Statt den Vertrag vollständig zu kündigen, können Sie eine Prämienfreistellung oder Teilprämienfreistellung prüfen.

Dabei läuft der Vertrag weiter, Sie setzen die Prämienzahlungen jedoch

  • vollständig oder
  • teilweise

aus.

Der Versicherer berechnet eine niedrigere Vertragssumme, die am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird.

Wichtig: Die Verwaltungskosten laufen auch während der Prämienfreistellung weiter.

Vertragsende: Rente oder einmalige Auszahlung?

Am Ende der Laufzeit können Sie – abhängig vom Vertrag – zwischen einer monatlichen Rente und einer einmaligen Kapitalauszahlung wählen.

Vergleichen Sie dazu

  • die Summe der voraussichtlichen monatlichen Rentenzahlungen bis zu einem angenommenen Lebensalter und
  • den Kapitalbetrag, den Sie sofort erhalten würden.

Welche Variante günstiger ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Ihrer voraussichtlichen Lebenserwartung,
  • der künftigen Inflation,
  • Ihrem aktuellen Kapitalbedarf,
  • bestehenden Krediten und
  • geplanten größeren Anschaffungen.

Prüfen Sie daher nicht nur die rechnerische Gesamtsumme. Berücksichtigen Sie auch, ob Sie das Geld sofort benötigen oder eine regelmäßige zusätzliche Zahlung bevorzugen.